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2007-07-02

14. Epilog

Dieses 3. Schuljahr war wahrscheinlich für fast alle Beteiligten mindestens die Vorhölle:

Für die Kinder zuallererst, denn sie wurden von der neuen Situation der 3. Klasse, der neuen Klassenlehrerein Frau Mausgrau-Unsichtbar, der Noten, von einer instabilen chaotischen Situation in die nächste gestürzt, von einer ansatzweisen Stabilität war in diesem Schuljahr nichts vorhanden. Die Art und Weise, wie Hausaufgaben gegeben wurden, war bei jeder Lehrerin unterschiedlich, Sanktionen wurden nach unterschiedlichem Gusto vergeben, die Erwartungen an die Schüler differierte von Lehrer zu Lehrer – aber wie gesagt, ein gutes Training für die weiterführende Schule…

Der Unterricht in Deutsch hat bei meinem Sohn eine hochgradige Entmutigung bewirkt: bereits nach 2 Monaten Frau Nie-Nix-Gut kam er heim und sagte frustriert: „Deutsch kann ich sowieso nicht“ – eine Einstellung, die sich bis Schuljahresende, zumindest was Aufsätze und Diktate betrifft, gehalten, bzw. intensiviert hat und wenn der erste Aufsatz in Klasse 4 nicht gleich gut ausfällt, zementiert sich diese Einstellung.

Es ist schon klar, dass v.a. im ersten Halbjahr die Vertretungssituation das Kollegium, v.a. Rektorin Frau L´école-c´est-moi zum Rotieren brachte.

Warum aber wurden Eltern nicht miteinbezogen, z.B. auch im Unterricht – wahrscheinlich immer noch besser als über 40 Ausfallstunden (die die Rektorin Frau L´école-c´est-moi auf dem Elternabend leugnete, obwohl mindestens 2 Eltern „Strichlisten“ geführt hatten)! In privaten Grundschulen in einer ähnlichen Situation ist das durchaus möglich und üblich!
Besteht an einer staatlichen Schule wirlich kein Handlungsspielraum? Auch nicht, wenn´s
wirklich brennt??? Dann sollten die Eltern wirklich wenn es irgendwie geht, auf private Schulen wechseln - oder noch besser: privatisiert das deutsche Schulsystem!!!

An unserer Schule sind Eltern jedenfalls nur gut genug, um bei Schulfesten Kuchen zu backen oder die Grünflächen zu wässern – diesen Eindruck musste man in unserem Fall gewinnen, da es die Schulleitung nicht einmal für notwendig hielt, die Eltern über die aktuelle Situation zu informieren.
[LINK: „Eltern dürfen Kuchen backen und auf dem Sommerfest den Grill anwerfen“, ]
Warum behandelt man Eltern als „Doofies“?
[Wir die Schule heißen die Eltern willkommen, am Schulleben teilzunehmen und mitzuwirken.
Punkt 1 der Erziehungsvereinbarung
Wir, die Schule, informieren die Eltern über a. unterrichtliche Inhalte, b. die Lernentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung c. wichtige schulische Ereignisse.
Punkt 4 der Erziehungsvereinbarung]
.

Warum behandelt man die Schüler als „Doofies“ (Zuspätkommen der Rektorin bei der Mathearbeit, regelmäßiges Zuspätkommen der Klassenlehrerin) und nicht mit dem Respekt, den sie schließlich auch den Lehrern als ihren Vorbilder entgegenbringen sollen?
[Wir gehen respektvoll, offen und vertrauensvoll miteinander um. Wir erziehen unsere Kinder zu Ehrlichkeit, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Respekt, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Präambel der Erziehungsvereinbarung]


Warum ist es im staatlichen Schulsystem nicht möglich (im Gegensatz zu Privatschulen) unbürokratisch und schnell dauerhafte Feuerwehrlehrer/innen einzustellen oder das Deputat von vorhandenen aufzustocken? In unserem Fall hätte sich eine frisch pensionierte Lehrerin zur Verfügung gestellt, bzw. die neue Lehrerin, die sich im Dezember / Januar gemeldet hatte?
Wo bleibt hier das Wohl der Kinder im Blick?

Wie kann es sein, dass uns dann die vorgesetzte Schulbehörde eine „Lehrkraft“ schickt, die noch nicht fertig ausgebildet ist, die keinerlei pädagogisches Handwerkszeug mitbringt, sich selbst in dieser Situation aufreibt und für Kinder wie Eltern eine Zumutung ist?
Wo bleibt hier das Wohl der Kinder im Blick?


Warum konnten auf landespolitscher Ebene über Jahre hinweg wegen schlechterer Bedingungen Lehrer in andere Bundesländer in großer Zahl abgeworben werden, so dass heute der „Lehrermarkt“ bei uns mehr leergefegt ist?

Wo bleibt hier das Wohl der Kinder im Blick?

Last but not leat war es die „Vorhölle“ sicherlich auch für Frau Nie-Nix-Gut, denn neben allem, was in ihrem Unterricht gelaufen ist und an Negativem in den Kindern bewirkte ist es - auch ihr gegenüber – von der Schulbehörde unverantwortlich, jemanden mit ihrem Ausblidungslevel als Vertretungslehrerin zu schicken!


Für unsere Kinder / meinen Sohn kann ich nur hoffen, dass sie / er das Kapitel „Frau Nie-Nix-Gut“ möglichst schnell abhaken oder verdrängen, damit keine „Spätfolgen“ in Klasse 4 über sie / ihn kommen und dass die neue Klassenlehrerin diesbezüglich „ein gutes Händchen“ hat…

Rückblickend wäre es uns Eltern, selbst wenn es zu keiner komplett gemeinsamen Aktion gekommen wäre, sicherlich möglich gewesen, gemeinsam etwas zu erreichen – hätten wir uns regelmäßig getroffen, Informationen ausgetauscht, den Schulelternbeirat eher informiert und nicht vertauensseelig den Hinhaltetechniken von Schulbehörde und Rektorin geglaubt. Aber bis wir begriffen, war es zu spät…


Vielleicht sind Sie entsetzt über diesen Bericht und können sich nicht vorstellen, dass so etwas in der (Grund-)Schule vorkommt? Ich habe an keinem Punkt übertrieben, könnte zu jeder Situation „Ross und Reiter“ nennen!


Vielleicht sind Sie ja auch gar nicht entsetzt, weil Sie diese oder ähnliche Dinge selbst erlebt haben?!
Was nützt unseren Kindern hohler Aktionismus in punkto Lerninhalte aufgrund von Pisa-Studien, wenn profunde, normale Unterrichtsversorgung in Ausfallsituationen nicht gewährleistet werden kann? Wenn Stunden über Stunden ausfallen, weil einfach keine Vertretungslehrer kommen? Wenn wir abgespeist werden mit „Noch-Nicht-Lehrern“, die Kinder und Eltern entmutigen und frustrieren (und vermutlich selbst dabei verheizt werden)? Wenn Lehrer der Schule es an Ehrlichkeit, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Respekt,… fehlen lassen, zu der sie die Kinder eigentlich erziehen sollen?
Wenn alle Missstände und Probleme ausgesessen und unter den Teppich gekehrt werden - damit die Statistik stimmt?

Letztlich wird es so weit kommen, dass Eltern mit den Füßen abstimmen (wie ja bereits in unserer Klasse eingetreten – 2 Kinder wechseln während des Schuljahres, ein Kind danach die Schule), dass private Schulen immer mehr an Geltung gewinnen (ob das jedoch immer der Weisheit letzter Schluss ist?). Nach diesem Schuljahr ist mein Vertrauen in das staatliche Schulwesen und insbesondere auch in die vorgesetzte Schulbehörde auf nahezu Null geschwunden; in meinen Augen kein Licht am Ende des Tunnels.

Juli 2006 (Schuljahr 2005/2007)




Nachtrag Schuljahr 2006/2007

Wer hätte das gedacht: Frau Nie-Nix-Gut ist Referendarin an unserer Schule! Vielleicht wird sie bei dem momentanen Lehrermangel ja hier sogar eingestellt???!!! Das wäre sicherlich eine große Bereicherung für das hiesige Kollegium!


Nur gut, dass für uns die Grundschule in ein paar Monaten endgültig abgeschlossen ist!!!
Ich kenne aber genügend Eltern, die vor Ort von den hiesigen Zuständen so enttäuscht oder entsetzt sind, dass sie sich händeringend eine andere Option als unsere Grundschule suchen, auch wenn diese mit viel mehr Aufwand verbunden sein sollte.


Denn auch die vorgesetzte Schulbehörde ist ja nicht bereit zu handeln. Bei einem Anruf im ersten Halbjahr der 3. Klasse, bei der es u.a. um die Nichtkommunikation zwischen Schule und Eltern ging, bekam ich ein Lachen zu hören mit der Bemerkung „Wir wissen, dass bei Euch die Uhren anders laufen…“. Also bleibt nur, mit den Füßen abzustimmen und zu gehen!


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2007-06-27

11. Akt III - a

Pädagogische Sternstunden und vertretungstechnische Meisterleistungen - Akt III - a

Wie würden Sie den Satz „Wir haben eine Lehrerin für Ihre Klasse gefunden!“ verstehen? Nun, ich verstand ihn so, dass zumindest bis Schuljahresende, vielleicht sogar auch bis Ende der 4. Klasse eine Lehrerin gefunden wurde, die die Hauptfächer, sowie die Klassenleiteraufgaben, die durch den Ausfall von Frau Mausgrau-Unsichtbar vertreten oder nicht mehr wahrgenommen wurden, dafür zuständig sein würde. Denn Ähnliches hatte ich bei meinem Ältesten erlebt, bei dem in der 1. Klasse die Lehrerin wegen Krankheit ebenfalls nach den Herbstferien ausfiel, nach Chaos und jeder Menge neuer Feuerwehrlehrerinnen aber wenigstens ab dem neuen Halbjahr ein neues männliches(!) Exemplar von Lehrkörper die Klasse eineinhalb Jahre übernahm - und dann wieder ging, dorthin, wo er einen vollen Vertrag bekam…

Doch schon der erste Schultag des neuen Halbjahres riss all die, die Hoffnung auf ein einigermaßen „normales“ 2. Halbjahr hatten, aus ihren Träumen: Die neue Lehrerin war nur für 11 Stunden an unserer Schule, unterrichtete in unserer Klasse nur Deutsch und sollte mit der Rektorin zusammen Klassenleiterfunktionen übernehmen. Insgesamt hatten unsere Kinder 7 verschiedene Lehrerinnen, in jedem Fach eine andere und in Kunst zwei – wow das ist doch die beste Vorbereitung für Drittklässer auf die weiterführende Schule, nicht wahr?!

Doch wer war sie nun, diese neue Lehrerin, die uns die Schulbehörde schickte? Sie hieß Frau Nie-Nix-Gut, erschien nicht wesentlich älter als Frau Rühr-mich-nicht-an und wartete – ebenfalls wie diese - auf ihr Referendariat und besaß keinerlei pädagogisch-praktisches Handwerkszeug, dafür jedoch die untrügliche pädagogische Intuition, die Kinder mit „Lautstärke“ und Strafarbeiten zu motivieren… Mit Frau Nie-Nix-Gut hatten wir also – dank der Schulbehörde – den goldenen Griff getan!

Wie Sie vielleicht noch aus eigener Erfahrung wissen, werden neue Lehrer/innen erst einmal von den Kindern getestet, um herauszufinden, wo hier die Grenzen liegen – so auch bei Frau Nie-Nix-Gut.


Im Grenzen testen stellen sich normalerweise die Jungen als „beharrlicher“ heraus, während die Mädchen eher unauffälliger „aus der Tiefe des Raums heraus“ wirken. Das hatte schnell zur Folge, dass insbesondere verschiedene Jungs auf der „schwarzen Liste“ standen. Diese wurden regelmäßig mit Strafarbeiten bedacht, deren Schrift auch oft noch benotet wurde in einer Weise, dass es bei anderen Kindern im Vergleich als Schriftnoten Siebener, Achter und Neuner hätte geben müssen.

Es folgten auch Anrufe der Lehrerin (die selbst wiederum bei den Eltern nicht ihre Telefonnummer hinterließ) die z.B. zum Inhalt hatten: “Ihr Sohn schwätzt momentan sehr mit seinen Nachbarn, - ist sehr unaufmerksam, - macht seine Schulaufgaben unvollständig oder unordentlich –vielleicht könnten Sie ihm mal ins Gewissen reden“…
Wenn ich in solchen Fällen schlagfertiger wäre, hätte ich beim wiederholten Anruf wahrscheinlich geantwortet: „Mein Sohn hilft mir nicht nach meinen Vorstellungen bei der Haus- und Gartenarbeit – könnten Sie, Frau Nie-Nix-Gut, vielleicht mal mit ihm reden?“ – aber so was fällt mir leider erst immer hinterher ein...
Verflixt noch mal, es ist doch nicht mein Job, die ich sowieso Diktate, Aufsätze, kleines Einmaleins daheim in Häppchen serviere, in pädagoisch interessante Einheiten umzusetzen versuche, mich auch noch um den Unterricht zu kümmern, wenn es um solche berufsspezifischen Angelegenheiten geht!

Es stellte sich schnell heraus, dass Frau Nie-Nix-Gut außer Strafarbeiten und Schreien, Verbote keine Ideen hatte, wie sie mit der Klasse arbeiten konnte.
Bei einem solchen Unterrichtsstil teilt sich die Klasse erfahrungsgemäß in zwei Gruppen: die, die den Kopf einziehen und versuchen, möglichst unauffällig zu scheinen und diejenigen, die das nicht tun, weil sie sich nach kurzer Zeit ohnehin als Sündenböcke begreifen – und es dann sind und bleiben. Besonders auf Christoph hatte sich Frau Nie-Nix-Gut „eingeschossen“, ihn, der ein aufgeweckter freundlicher Junge (eben kein unauffälliges Mädchen) ist, bezeichnete Frau Nie-Nix-Gut der Mutter gegenüber als „verhaltensauffällig“...
Sowohl bei ihm, als auch bei den anderen „schwarzen Schafen“ hatte man den Eindruck, dass sich das Verhalten nicht nur in Strafarbeiten, sondern auch in den Noten niederschlug. Doch zu der inhaltlichen Seite des Unterrichts von Frau Nie-Nix-Gut komme ich später, hier erst mal noch ein Beispiel ihrer pädagogischen Qualitäten:

Die Klasse hatte zur 2. Stunde Schule, sollte in eben der 2. Stunde bei Frau Nie-Nix-Gut ein Diktat schreiben, ging – angeblich entgegen den Richtlinien – aber schon vor dem Klingeln in das Klassenzimmer. Dort spielten 6 Jungs und ein Mädchen – sicher entgegen den Richtlinien – Fußball. Es passierte nichts und irgendwann hallte ein Schrei „Sie kommt“ durch den Raum, alle setzten sich, ohne zu vergessen, den Ball vorher auf seinen Platz zu legen. Frau Nie-Nix-Gut schritt in das Klassenzimmer und jetzt hatten, wie das mittlerweile in der Klasse eingebürgert war,die Petzen ihren Auftritt und brachten das Fußballspielen bei Frau Nie-Nix-Gut an. „Wer war das“, fragte Frau Nie-Nix-Gut. Die 6 Jungs meldeten sich, das Mädchen nicht. „Das gibt eine saftige Strafarbeit“, sagte Frau Nie-Nix-Gut während sie die Namen der Kinder aufschrieb. Nach diesem Vorspiel folgte das Diktat – man kann sich ausmalen, wie das bei den Betroffenen ausfiel, aufgewühlt wie sie waren…
Nach dem Diktat meldeten sich Mitschüler und wiesen darauf hin, dass das eine Mädchen auch noch mitgemacht hatte. Das Mädchen jedoch leugnete standhaft und so entschied Frau Nie-Nix-Gut, dass die aufgeschriebenen Jungen, nicht aber das Mädchen, die Strafarbeit machen mussten – sie hat offensichtlich seherische Fähigkeiten, denn dabei war sie schließlich nicht.

Drei Dinge hat mein Sohn aus dieser Episode gelernt:
  • 1. Petzen ist gut, denn es macht dich beim Lehrer beliebt, lässt andere „alt“ aussehen und wird auch nicht bestraft.
  • 2. Lügen kann Vorteile mit sich bringen, denn wenn es gut geht, brauche ich das Verbockte nicht auszubaden.
  • 3. Mädchen werden sowieso anders behandelt als Jungs.

(LINK: Böse Buben, brave Mädchen)
Die Eltern der betroffenen Kinder waren sichtlich erbost über dieses Vorgehen, ließen diese dennoch die Strafarbeit schreiben (die benotet werden sollte), schrieben jeweils ihrerseits einen „Protestbrief“ – wir würden heute noch auf eine Reaktion warten, wenn wir nicht von uns aus zu Frau Nie-Nix-Gut gegangen wären – eigentlich doch ein Gebot des Anstands, sich mit den Eltern in Verbindung zu setzen – oder bin ich da angsichts der Jugend von Frau Nie-Nix-Gut von gestern?!



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2007-06-26

10. Akt II -c

Pädagogische Sternstunden und vertretungstechnische Meisterleistungen - Akt II - c

Doch da, plötzlich, tauchte, unbemerkt von fast allen, kurz vor den Weihnachtsferien ein Silberstreif am Horizont auf: Eine neu zugezogene Grundschullehrerin, die die ganze Zeit im Mutterschutz war, fragte bei ihrer Nachbarin - einer Mutter unserer Klasse - an, wie das hier in Altrip so sei, ob Lehrer an der Grundschule gebraucht würden…

Die besagte Lehrerin meldete sich bei der Rektorin Frau L´école-c´est-moi um ihren schnellen Einsatz in der für alle Beteiligten prekären Situation anzubieten. Griff die Rektorin sofort zum Hörer, um mit der vorgesetzten Schulbehörde zu reden? Setzte sie alle Hebel in Bewegung, um diesen Strohhalm zu ergreifen? Hm, was es bedeutet, alle Hebel in Bewegung zu setzen, ist sicherlich eine Definitionssache; was die Rektorin Frau L´école-c´est-moi darunter verstand, war, die potentielle Lehrerin darauf hinzuweisen, dass sie sich an die vorgesetzte Schulbehörde wenden solle…
Das versuchte diese Lehrerin dann auch, doch die Vorboten der Weihnachtsferien hatten offensichtlich schon die vorgesetzte Schulbehörde erreicht und irgendwie ist es ihr nicht gelungen, zu den entscheidenten Beamten vorzudringen (oder waren es doch eher bürokratische Hürden, die der Amtsschimmel nicht schaffte?). So erlosch der Silberstreif ohne dass es überhaupt von jemandem, v.a. von der Mehrheit der Elternschaft, bemerkt worden wäre im Nirwana von Schulferien und Bürokratendschungel. Und weiter ging es wie zuvor.

Das Befremden mancher Eltern ob der schulischen Situation wuchs immer mehr und diese forderten die Elternsprecherin auf, einen Elternabend mit der Rektorin Frau L´école-c´est-moi einzuberufen (was die Eltern – und offensichtlich auch die Elternsprecherin- nicht wussten, war die Tatsache, dass ein Elternabend immer von dem Elternsprecher einberufen wird, auch durchaus ohne Lehrer/in, wenn´s denn sein muss).

Kurze Zeit später teilte die Elternsprecherin in einem von ihr verfassten Gedächtnisprotokoll des Gespräches mit, die Rektorin habe keine Zeit für einen solchen Elternabend. Dazu muss man anmerken, dass die Rektorin sehr wohl Zeit fand, in diesen Tagen einem Elternabend mit Pfarrer Gottlieb beizuwohnen, der alle Jahre wieder stattfindet, wegen dessen „individueller Unterrichtsmethoden“, den dieses Jahr von den Eltern aber so gut wie niemanden interessierte …

Auch deshalb wendeten sich die Eltern im Januar wieder an die Schulbehörde und fragten, ob diese einen Elternabend mit Rektorin veranlassen könnte. Die Beamtin zeigte sich erstaunt, dass noch keine Information an die Eltern weitergegeben wurde und gab bis Ende Januar Frist, wenn dann noch nichts passiert sei, sollten wir noch mal Bescheid geben. Ganz offensichtlich muss sich die Schulbehörde mit der Rektorin Frau L´école-c´est-moi in Verbindung gesetzt haben, denn diese kündigte „demnächst“ einen Elternabend an – aha!

Einige Anrufe bei der Schulbehörde später erhielten wir die befreiende Botschaft: „Wir haben eine Lehrerin für Ihre Klasse gefunden! Sie wird ab Anfang Februar eingesetzt!“ Ein Aufatmen ging durch die Reihen der Eltern, sie waren vorsichtig beruhigt, warteten auf den versprochenen Elternabend und hielten weiter still. So verging zwar mehr schlecht als recht die Zeit bis zum Halbjahreszeugnis, einige Male waberte auch das Gerücht durch die Sphäre, dass Frau Mausgrau-Unsichtbar wiederkäme, doch alle warteten auf das neue Halbjahr mit der neuen Lehrerin, die sicherlich alles zum Guten wenden würde…

Nach diesem doch hoch motivierenden ersten Halbjahr verließ das erste Kind dieser Klasse die Schule und wechselte auf eine private Grundschule in der nächstgelegenen Stadt. Die Mutter erzählte mir, bei dem Mädchen sei eine Teilleistungsschwäche festgestellt und sie sei mit dieser Klassensituation völlig überfordert. Sie habe über Wochen hinweg jede Nacht Alpträume wegen der Schule gehabt, so dass die Eltern handeln mussten. Da sie – nach allem, was bisher lief - an der hiesigen schulischen Situation keine Änderungen zum Positiven erwarteten, wählten sie den Schulwechsel, obwohl dieser jede Menge Fahrerei, Zeitaufwand und Kosten mit sich bringt.
Doch der Schulwechsel hatte zumindest dies zum Ergebnis, dass die Alpträume nach einer Woche in der neuen Schule vorbei waren - und sie Akt III nicht miterleben musste …


9. Akt II b

Pädagogische Sternstunden und vertretungstechnische Meisterleistungen - Akt II - b

In die Aera von Frau Rühr-mich-nicht-an fiel eine Sachkundearbeit der besonderen Art: In dieser Arbeit – sie handelte von Zug- und anderen Vögeln und hatte einen Stoffumfang von ca. 12 vollen Arbeitsblättern, wurden Antworten erwartet, die gar nicht abgefragt wurden. So reihte sich bei vielen Kindern ein rotes „Warum?“ nach dem anderen an den Korrekturrand. Manche Eltern durchschauten, dass die Fragen nicht zu den Antworten passten und wagten es, sich darüber zu beschweren. Auch ich schrieb einen Brief an Frau Rühr-mich-nicht-an, mit der Bitte, mir die Ansprüche der Arbeit zu erklären- keine Reaktion. So ging ich am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien in die Schule, um eine Antwort zu erhalten. Mit vor der Brust verschränkten Armen, den Blick nur nicht auf mich gerichtet, begegnete mir Frau Rühr-mich-nicht-an (ein zierliches Wesen, kaum größer als die zu unterrichtenden Kinder) und teilte mir mit, sie habe die Arbeit nicht konzipiert, das waren 2 Lehrerinnen des hiesigen Lehrkörpers (darunter die Rektorin Frau L´école-c´est-moi), sie habe sie nur korrigiert wie vorgesehen (und das noch eigentlich sehr positiv), sie könne nichts sonst darüber sagen. Wer konnte etwas dazu sagen? Nach den Weihnachtsferien kam ein Brief von der Rektorin Frau L´école-c´est-moi, die Arbeit werde noch mal durchgeschaut, und ggf. bei einzelnen Schülern korrigiert. Dabei blieb es – obwohl mir viele „Warum?“-korrigierte Schüler bekannt sind, wurde bei keinem die Note verändert…

Ansonsten – Funkstille von Seiten der Schulleitung…

Die Klasse hatte mittlerweile beinahe 3 Monate mit wechselnden Vertretungslehrern verbracht, von denen natürlich keiner eine Klassenleiterfunktion einnahm. So entwickelte sich das Klassenklima immer mehr zu einer eigenen Angelegenheit: Hänseln, Petzen, das Gesetz des Stärkeren setzten sich durch…

Über diese Entwicklung beunruhigt und über das Schweigen der Schulleitung befremdet liefen weiterhin die Drähte zur Schulbehörde heiß. Dort teilte man uns mit, vor Halbjahresende sei überhaupt nichts zu machen, da Frau Mausgrau-Unsichtbar ja nach wie vor nur kurzzeitig krankgeschrieben werde… Erst ab Februar (2. Halbjahr) gäbe es vielleicht die Möglichkeit, eine neue Lehrerin zu bekommen, falls Frau Mausgrau-Unsichtbar bis Februar nicht zurück sei. „Aber“, so versicherte man mir mit trauriger Stimme, „momentan ist der Lehrermarkt ja wie leergefegt, es gibt überhaupt keine Lehrkräfte. Sie können sich glücklich schätzen, nicht im Hinterland zu wohnen, denn da gehen die Lehrkräfte ja gar nicht gern hin. Überhaupt können Sie eigentlich froh sein, dass die vier dritten Klassen ihrer Schule nicht zusammengelegt wurden…“. Mir lag ja auf der Zunge zu erwiedern, das sei für die Kinder wohl das Beste gewesen! Außerdem schien es mir noch dunkel bekannt zu sein, dass Lehrer kraft ihres Amtseides hingeschickt werden können, wo der Staat sie haben will??? Im Übrigen wundert es mich nicht, dass in unserem Bundesland noch weniger Lehrer zu finden sind als anderswo: bei uns bekam man die ganze Zeit als frisch ausgebildeter Grundschullehrer höchstens ein Dreiviertel Deputat, oder Feuerwehrverträge, o.ä. während die Bundesländer um uns herum an den Landesgrenzen große Schilder aufstellten mit der Aufschrift: „Kommt alle zu uns, hier kriegt ihr volle Verträge mit Festanstellung“… Mehrere Grundschullehrer/innen habe ich auf die Weise kommen und v.a. wieder gehen sehen und es waren nicht die Schlechtesten darunter…


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2007-06-24

8. Akt II a

Akt II - a
Frau Mausgrau-Unsichtbar wurde immer nur für maximal 3 - 4 Wochen krankgeschrieben. Auch ich weiß, dass ein Arzt heutzutage angehalten ist nur für kurze Zeit eine Krankschreibung auszustellen, doch das hat zur Folge, dass keine „feste Ersatzlehrerin“ angefordert, bzw. eingestellt werden kann. Ehrlich gesagt, kann ich auch nicht ganz nachvollziehen, dass man mit dieser Diagnose über Monate hinweg nur für 3-4 Wochen eine Krankschreibung erhalten kann, wo doch klar ist, dass Schonung, Reha und Ähnliches anstehen…??!! Jedenfalls rief Frau Mausgrau-Unsichtbar immer pünktlich nach 3 oder 4 Wochen montags vorm Unterricht an und meldete sich für eine weitere Runde ab.

Dieses Vorgehen, das bis zum Halbjahresende andauerte, brachte das Lehrerkollegium, allen voran die Rektorin Frau L´école-c´est-moi zum Rotieren, denn die Klassenleiterstunden von Frau Mausgrau-Unsichtbar mussten schließlich „irgendwie oder auch nicht“ vertreten werden. „Irgendwie“: die Rektorin Frau L´école-c´est-moi übernahm Mathe und Deutsch, Sachkunde wurde von wechselnden Lehrerinnen (Lehrer gibt es an unserer Grundschule keine mehr) vertreten und die „Nebenfächer“ ereilte ein Nebenfach-Dasein; „oder auch nicht“ bedeutete, dass in der Zeit von Oktober bis Ende Januar über 40 Stunden ganz ausfielen.
„Irgendwie“ bedeutete aber auch, dass Deutsch und Sachkundearbeiten nach wie vor von Frau Mausgrau-Unsichtbar korrigiert wurden – war sie nicht eigentlich krank? Diese Korrekturumwege hatten den apparten Effekt, dass weder Schüler noch Eltern Rückfragemöglichkeiten zu den Arbeiten hatten, denn selbstverständlich bekamen wir bei dem zurückgezogenen Lebensstil von Frau Mausgrau-Unsichtbar nie eine Telefonnummer zu Gesicht, noch wussten wir, wo sie wohnt (wir wussten nur, nicht in unserem Ort, denn schließlich wurde sie in gesunden Zeiten ja immer 5 Minuten vor 8 Uhr 6 km vorm Orteingang gesichtet…). Der Matheunterricht verlief nun in einigermaßen geregelten Bahnen, der Deutschunterricht jedoch beschränkte sich häufig nur noch auf das Ausfüllen von Lückentexten – was meinem ohnehin schreibfaulen Sohnemann gut zu pass kam…

Während sich das Lehrervertretungskarussell in unserer Klasse lustig drehte (manchmal schwebte auch für kurze Zeit eine Lehrerin von außerhalb herein), wurden die Eltern – oder wenigstens Teile davon – zusehens nervöser, denn obwohl Stundenausfall und Lückentexte für die süßen Kleinen vordergründig ganz erholsam waren, schaffen es Eltern eher, über den Tellerrand hinaus zu schauen und eventuelle Konsequenzen zu erahnen. Darüber jedenfalls hätten wir gerne einmal mit der Rektorin Frau L´école-c´est-moi geredet – oder doch wenigstens eine Information in Form eines Elternbriefes erhalten. Aber nichts dergleichen geschah. Eigentlich hatte sich die Schule am Anfang des Schuljahres hehre Regeln gegeben, eine Erziehungsvereinbarung gar, in der u.a. steht: „Wir, die Schule, informieren die Eltern über a. unterrichtliche Inhalte, b. die Lernentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung c. wichtige schulische Ereignisse“. Mhm, ist so eine Situation ein „wichtiges schulisches Ereignis“? Aber wenn es doch nun überhaupt nichts zu berichten gibt, weil Frau L´école-c´est-moi ja selbst nichts Neues von der vorgeordneten Schulbehörde zu berichten weiß? Klar, dann hüllt man sich in Schweigen, denn die Lehrerschaft tut ihr Bestes, um die Kids „bei ihrer umfassenden Entwicklung, ihren individuellen Fähigkeiten und ihrem natürlichen Wissensdrang zu unterstützen“ (Erziehungsvertrag, Punkt 2).


Nichtsdestotrotz, das beharrliche Schweigen von Seiten der Schule veranlasste besorgte Eltern, bei der Schulbehörde unbedarft anzurufen, um sich selbst zu erkundigen, wie es mit der Klasse weitergehe. Zunächst einmal bekamen diese zu hören, dass nichts, aber auch gar nichts zu machen sei, um einen normalen Schulalltag für die Kinder herbei zu führen, solange Frau Mausgrau-Unsichtbar nur so kurzfristige Krankmeldungen bringe, wenigstens bis zum neuen Schulhalbjahr; da würden dann die Karten neu gemischt, was die Besetzung von Stellen betrifft. Auch die Rektorin Frau L´école-c´est-moi hat wohl versucht, eine Anordnung zu bewirken, dass Frau Mausgrau-Unsichtbar bei einem Amtsarzt vorstellig werden müsse – angeblich keinerlei Handhabe…

So gingen die Wochen ins Land und einen Monat vor den Weihnachtsferien wehte uns das Vertretungskarusell eine blutjunge Lehrerin - Frau Rühr-mich-nicht-an - herein, die immerhin bis zu den Weihnachtsferien Sachkunde unterrichten sollte. Das hätte man ja auch fast als Verbesserung ansehen können, wäre Frau Rühr-mich-nicht-an nicht unglaublich schüchtern, beinahe verängstigt gewesen und hätte sie bereits eine fertige Ausbildung gehabt… Sie befand sich stattdessen in der Warteschleife zum Referendariat, und sollte, von der Schulbehörde geschickt, mal fix bei uns aushelfen. Unsere Kinder hat es gefreut, denn in den Stunden von Frau Rühr-mich-nicht-an bestimmten sie, wo es langging, die Phonzahl war so hoch wie in den Pausen – was will man als Schüler mehr?

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2007-06-23

7. Akt I

Pädagogische Sternstunden und vertretungstechnische Meisterleistungen - Akt I
Irgendwann in den letzten Wochen des Schuljahres ereilte uns die Nachricht, Frau Mausgrau-Unsichtbar würde unsere Klasse übernehmen. Viele von den Eltern kannten diese Lehrerin nicht, da sie noch keine älteren Kinder in der Grundschule hatten und Frau Mausgrau-Unsichtbar irgendwie auch nicht auffiel, und so holte man sich Informationen von „altgedienten Kennern der Szene“… „Dienst nach Vorschrift, keine Ausflüge, kein Landschulheim, hat bei der letzten Projektwoche (vor 4 Jahren…) als Einzige nichts besonderes gemacht, vom alten Schlag, vermittelt solide Kenntnisse, wenn auch nur das Minimum des Verlangten“ – das war die Bandbreite der Auskünfte. Vielleicht stand unseren Kindern nach zwei Jahren Engagement ja auch einfach mal das Gegenteil zu (damit die Statistik wieder stimmt) und wenn sie solide Kenntnisse vermittelt bekommen, die sie auf die weiterführende Schule vorbereiten, ist es ja vielleicht auch in Ordnung…
Wir hatten keine Ahnung, wie „gut“ diese Vorbereitung für unsere Kinder ausfallen sollte…

Die 3. Klasse begann und wenn man die Kinder fragte, wie Frau Mausgrau-Unsichtbar denn sei, bekam man meistens die Antwort: „Ja, ok…“.
Nach ca. 4 Wochen sagte mein Sohn beim Mittagessen: „Mama, Frau Mausgrau - Unsichtbar kommt immer zu spät in den Unterricht.“ – „Was meinst Du denn mit „zu spät““, fragte ich nach. „Na ja, so 10 Minuten etwa…“ Mein Sohn war bereits sehr gut in der Lage, die Uhr zu lesen, die unübersehbar im Klassenzimmer hing. Den Verdacht, dass in dieser Schule die Lehrer/innen häufig zu spät kommen, hatte ich schon länger, denn wann immer (na gut, fast immer – insb. bei der Vorgänger-Lehrerin ist mir diesbezüglich nichts aufgefallen) ich meinen Kindern etwas in die Schule nachgetragen habe, musste ich feststellen, dass Pünktlichkeit keine große Zierde war an unserer Grundschule…
Angesichts der Tatsache, dass Frau Mausgrau-Unsichtbar gerade damit begonnen hatte, Striche für nicht erledigte Hausaufgaben einzuführen (bei 3 Strichen eine 6…), kam mir folgende Idee in den Sinn, die ich meinem Sohn vorschlug der Lehrerin zu unterbreiten: „Weißt Du was, schlage Frau Mausgrau-Unsichtbar doch folgenden „Handel“ vor: Wenn sie mehr als 3 Mal die Woche zu spät kommt (diese Strichliste müsstet ihr führen), dann wird eine Hausaufgabe gestrichen!“ Zunächst war sich mein Sohn nicht ganz sicher, ob er ihr diesen Handel vorschlagen solle, dann fand er es offensichtlich doch ziemlich gerecht (v.a. im Hinblick auf die Strichliste von Frau Mausgrau-Unsichtbar) und wagte sich vor. Offensichtlich zu weit, denn als er am nächsten Tag nach Hause kam, war er völlig am Boden zerstört, meinte, er sage nie mehr etwas, und Frau Mausgrau-Unsichtbar käme auch nicht zu spät, sie sei ja immer schon im Haus. Ah ja! Das ist natürlich ein nicht zu entkräftendes Argument, gerade auch angesichts der Tatsache, dass die Wege vom Lehrerzimmer zum Klassenzimmer zugegebener Maßen auch extrem weit sind (eine Treppe mit 20 Stufen nach oben). Ich hatte jedenfalls Mühe, meinen Sohn, auf den ich eigentlich wirklich stolz war, moralisch wieder aufzurichten…

Kleiner Exkurs: Das Problem des Zuspätkommens von Lehrerinnen zog sich durch das ganze Schuljahr. Warteten die Kinder an der Tür oder auf dem Gang, um die Lehrerinnen als erstes zu erspähen, bekamen sie eine Strafarbeit. Sie sollten unauffällig in der Klasse warten. War die Zeit für „unauffälliges Warten“ zu lang, gab es wiederum Strafarbeiten…

Wenig später erzählte mir eine Bekannte, deren Sohn vier Jahre zuvor den Unterricht bei Frau Mausgrau-Unsichtbar erleben durfte, dieses Zuspätkommen wundere sie nun allerdings wenig, denn Frau Mausgrau-Unsichtbar begegne ihr immer 5 Minuten vor Acht etwa 6 Kilometer vor unserem Ort auf der Bundesstraße. Dafür kam ihr Sohn aber auch häufig früher nach Hause (etwa um 13.00 Uhr – 13.00 ist eigentlich Schulschluss…).
Ebenfalls am Anfang des Schuljahres wurde unserer Klasse das Merkblatt zu den einzelnen AGs ausgehändigt, wie immer mit einem Abschnitt zum Abtrennen. Schüler Christoph brachte den ausgefüllten Zettel mit in die Schule – leider jedoch ohne den Abschnitt abgetrennt zu haben. Darauf Frau Mausgrau-Unsichtbar: „Das kann ich so nicht annehmen!“ Vermutlich hatte Christoph eine Schere dabei und hätte den Abschnitt gleich abschneiden können, er nahm den Zettel jedoch mit nach Hause, trennte ihn ordnungsgemäß ab und brachte ihn am nächsten Tag wieder mit in die Schule, um ihn Frau Mausgrau-Unsichtbar auszuhändigen. Auch an diesem Tag nahm sie den Zettel nicht entgegen, nun mit dem Hinweis „Heute ist es leider zu spät, die Anmeldungen abzugeben!“


Ach ja, Noten gab es ab der 3. Klasse ja auch! Als nach Herausgabe des ersten Diktates eine Mutter ihr Kind von der Schule, am Klassenzimmer abholte, sah sie ein Mädchen herzzerreißend schluchzen, da sie eine 5 geschrieben hatte. Auf die vorsichtige, wahrscheinlich pädagogisch völlig unqualifizerte Frage der Mutter, ob man nicht vielleicht etwas sachter in die Notengebung einsteigen könne, ob es unbedingt gleich Fünfen geben müsse, meinte Frau Mausgrau-Unsichtbar, das sei nicht möglich; sie könne sich überdies nicht um die Gemütslage jedes einzelnen Kindes kümmern.

Vielleicht gab es noch weitere vertrauensbildende Maßnahmen zwischen neuer Klassenlehrerin und ihrer Klasse, die mir nicht zu Ohren kamen – oder wir hätten noch weitere erlebt, doch dazu kam es nicht mehr, denn eine Woche vor den Herbstferien wurde Frau Mausgrau-Unsichtbar krank, schwerkrank sogar. Obwohl man nichts Genaues wusste, munkelte man nach Ferienende etwas von einem Herzinfarkt…



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2007-06-12

4. G 8 - nein, nicht DER Gipfel... G 8 ist der Gipfel

Während momentan unter G 8 der Gipfel in Heiligendamm in aller Munde ist / war, haben wir das Vergnügen, mit dem achtjährigen Gymnasium in Baden-Württemberg Bekanntschaft zu machen.

Just während wir einerseits an der "Grundschulfront" kämpften, wurde unser Mittlerer in das achtjährige Gymnasium eingeschult, bei dem es gleich mit zwei Fremdsprachen auf einmal losgeht.
Die Möglichkeiten hierfür an unserer Schule sind Englisch / Latein, oder Englisch /Französisch.

Auf einem Elternabend im Vorfeld wollte ich wissen, mit welchem "pädagogischen Konzept" man zwei lebende Sprachen, die so unterschiedlich gesprochen und geschrieben werden wie Englisch und Französisch unterrichten wird...?
Nur der Hinweis, dass die Erfahrungen in anderen Ländern zeigten, dass dies funktioniere, kam als Antwort. Nach dem Elternabend kamen einige Fachlehrer auf mich zu und sagten hinter vorgehaltener Hand, sie hätten keine Ahnung, wie das klappen könne, sie wüssten noch überhaupt nicht, was auf sie zukäme, es sei doch vermutlich sinnvoller, Englisch und Latein zu wählen...
Für diese Kombination entschieden wir uns dann auch.


Kurz gesagt, die 5. Klasse wurde für unseren Mittleren (und z.T. auch für uns...) zur "Sprachenhölle"... 30 Vokabeln Englisch, dazu 10 in Latein waren durchaus keine Seltenheit!

Zum einen gab es für Latein und Englisch keine Lehrbücher, die für das achtjährige Gymnasium geschrieben waren. Die Lateinlehrerin sagte mir auch ohne Umschweife, dass sie den gleichen Stoff den Schülern beibringen müsse, nur dass sie eben statt 6 nur noch 4 Stunden zur Verfügung habe. Ah ja! So war das also mit dem G 8 gemeint! Wo will man bei Sprachen auch den Lehrstoff entrümpeln? Soll man ein paar Deklinationen oder Zeiten o.ä. weglassen?
Die (alten) Englischbücher wurden schulintern gekürzt; das bedeutete aber natürlich nicht, dass sich Grammatik oder Vokabeln verringerten, sondern die spielerischen Elemente (die letztlich der Vertiefung dienen), sollen nun weggelassen werden.
Die Vertiefung erledigen ab sofort die Eltern!!!

Nach allgemeinem Aufstöhnen der 5.Klässer wurde eine Umfrage in den einzelnen Klassen durchgeführt mit dem Ergebnis, dass (inklusive Schulweg) die 5.Klässer eine durchschnittliche Wochenbelastung von 47 Stunden haben, der durchschnittliche Einsatz der Eltern pro Woche betrug 4,5 Stunden. Je nach Klassenarbeitssituation konnte sich dieses Pensum erheblich erhöhen...
Psychosomatische Auffälligkeiten der Schüler waren nicht unüblich.

Wir haben in unserer Klasse die Erfahrung gemacht, ohne Eltern, die den 5.Klässern helfen, die Stofffülle in Häppchen zu servieren, die abhören, die sich Gedanken um Fragestellungen für die nächste Arbeit machen etc. läuft gar nichts! Pisa wird hier komplett bestätigt, denn Kinder aus sog. "bildungsfernem Elternhaus" haben schlichtweg keine Chance mehr!

Außerdem ist die durch das G8 auch die schulartdurchlässige Orientierungsstufe abgeschafft, denn ein Wechsel von der Realschule auf Gymnasium nach der 6. Klasse wird unmöglich.

Das alles heißt: Aussortiert wird nach 4. Klasse, keine Chance für Spätzünder oder Kinder ohne elterliche Unterstützung, und für die Eltern: reduziert Eure Arbeit, damit Ihr in der Lage seid, Eure Sprößlinge so lange zu unterstützen, bis sie "auf der richtigen Spur sind"...

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, wird deutlich, dass die "Bildungsschere" immer weiter aufgeht! In "meinem" Gymnasium waren hauptsächlich "Arbeiterkinder"; die meisten unserer Eltern hatten weder Zeit, noch Geld, noch Voraussetzungen, uns großartig zu unterstützen - und wir haben es auch so geschafft! Heute wäre das undenkbar!

Und auch alle die, die nicht aufs Gymnasium gingen (und das waren "zu meiner Zeit" noch genügend, auch v.a. Hauptschüler) konnten mit ihrem Abschluss einen "ordentlichen Beruf" erlernen, eine Weiterbildung anstreben, hatten aber auf alle Fälle einen brauchbaren Abschluss inklusive der entscheidenten Grundkenntnisse in Mathe und Deutsch!

Wie kam es zu dieser eklatanten Schieflage während der letzten 25 Jahre???
Bildungsgerechtigkeit

Gymnasium - Schüler und Eltern überfordert

Elternumfrage zeigt wachsende Belastung der Familien durch achtjähriges Gymnasium

Evas 51 Stundenwoche


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2007-06-09

2. Die Katastrophe kam erst noch...

Angekommen in der 3. Klasse mussten sich die Kids an Noten gewöhnen. Es wurde auch gleich aus dem Vollen geschöpft...

Doch eine Woche vor den Herbstferien wurde die Klassenlehrerin krank, schwerkrank sogar; man munkelte etwas von "Herzinfarkt" oder "Schlaganfall" - nix genaues wusste man nicht, nur dass es nicht einfach eine Erkältung war.


Das Erstaunliche an der ganzen Sache: Diese Lehrerin brachte über Monate hinweg immer nur eine Krankmeldung über ca. 3 Wochen...


Es ist ja bekannt, dass Ärzte nicht mehr lange krankschreiben dürfen, aber bei einer solchen Diagnose (denn die "Buschtrommeln" hatten tatsächlich recht behalten) ist doch klar, dass frau mit ein paar Wochen Rekonvaleszenz nicht hinkommt, sondern dass Krankenhaus, REHA, Schonung ansteht! Nichtsdestotrotz: Die Krankmeldungen kamen wochenweise; das hatte zur Folge, dass keine Feuerwehrlehrerin fest eingestellt werden konnte und die Schulleitung versuchen musste, selbst eine Vertretung zu organisieren. Auch wenn hin- und wieder mal eine Feuerwehrlehrerin wochenweise hereingeschneit kam, fielen von Oktober bis Januar über 40 Stunden aus (was die Schulleitung leugnete; die Strichlisten der Eltern sprachen jedoch eine andere Sprache...).

Besonders der Deutschunterricht litt; denn Schreiben war nicht mehr sehr populär; vorwiegend das Ausfüllen von Lückentexten war angesagt.



Die Eltern beunruhigten sich zusehends, doch die Schulleitung hüllte sich in Schweigen: kein Elternbrief, kein Elternabend, gar nichts!



Uns war schon allen klar, dass diese Situation für die Schulleitung nicht einfach war - doch für unsere Kinder und uns auch nicht! Vielleicht hätte man ja gemeinsam... Aber (diese Erkenntnis reifte in uns bis zum Ende des Schuljahres immer mehr): Eltern sind zwar gut genug, um für´s Schulfest Kuchen zu backen oder Grünflächen zu bewässern, doch ansonsten hält man sich diese "Spezies" besser vom Leibe... Als wir einen Elternabend mit der Schulleitung "einforderten", hieß es lakonisch: "Keine Zeit"...


Wir suchten Kontakt zu der vorgesetzten Schulbehörde, um hier vielleicht etwas darüber zu erfahren, wie es mit unserer Klasse weitergehen sollte. Doch hier erteilte man uns nur die Auskunft: "Solange nur immer eine wochenweise Krankmeldung vorgelegt wird, sind uns die Hände gebunden. Frühestens ab dem neuen Halbjahr werden die Karten was Lehrerzuteilung betrifft, neu gemischt!" - Wie kann es sein, dass eine Lehrerin (also Beamtin und damit weisungsgebunden) nach Wochen / Monaten von kurzfristigen Krankmeldugen nicht zum Amtsarzt zitiert werden kann, um eine längerfristige Krankmeldung zu erwirken (und damit die Möglichkeit, zu einer geregelten Vertretung freizumachen?)???

Das Schweigen der Schulleitung wurde von seiten der vorgesetzten Schulbehörde mit einem trockenen Lachen und dem Kommentar versehen:"Ja, ja, wir wissen, dass in Ihrem Ort die Uhren anders laufen..."

Bis zum Ende des Schulhalbjahres änderte sich nichts - außer der Häufigkeit unserer Anrufe bei der Schulbehörde... Von dort zunächst immer nur der beinahe tränenerstickte Hinweis, es gäbe leider keine Lehrer; der Lehrermarkt sei wie leergefegt (kein Wunder: in unserem Bundesland bekamen Neueinsteiger über Jahre hinweg nur einen Zeitvertrag über maximal ein dreiviertel Deputat während die Nachbarbundesländer mit vollen Verträgen und schneller Verbeamtung warben...)!
Doch dann kam sie, die erlösende Botschaft der Schulbehörde: "Wir haben ab Februar eine Lehrerin für sie gefunden!" - vorsichtiges Hoffen setzte ein...
Wer war dieser Phönix aus der Asche des leergefegten Lehrermarktes? Brachte er die erhoffte Rettung?
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