Sehr geehrter Herr Kultusminister Rau,
auch wenn ich davon ausgehe, dass Sie schon tausende von Zuschriften erhalten haben werden, möchte ich mich auf diese Weise an Sie wenden, in der Hoffnung, dass diese Zeilen Sie erreichen.
Als betroffene Mutter habe ich vorgestern interessiert die Landtagsdebatte über das Schulsystem in Baden-Württemberg verfolgt und war wirklich erstaunt, über die unterschiedlichen Realitäten, in denen wir leben.
Wir haben drei Söhne die auf ein Gymnasium gehen in den Klassenstufen 5,7 und 9 (also zwei Mal G8 und einmal G9).
Ohne mich loben zu wollen, muss ich feststellen, dass vielleicht alle unsere Kinder, zumindest aber die beiden Jüngeren nicht auf dem Gymnasium wären, hätte ich nicht unendlich viel Zeit in die "Beschulung" zuhause investiert - wäre ich z.B. alleinerziehend und / oder Vollzeit berufstätig.
Sie könnten jetzt natürlich denken: "Wenn sie so viel Zeit investieren musste, sind die Kinder offensichtlich nicht intelligent genug und sollten nicht auf das Gymnasium".
Das ist nun aber nicht der Fall: meine Jungs sind intelligent, nur nicht sehr strukturiert, wie die Mehrzahl der Jungs im Vergleich zu den Mädchen.
Leider kann schon nicht mehr in der Grundschule auf individuelle Förderung eingegangen werden, so dass Kinder, die nicht "stromlinienförmig" sind, werden sie nicht von zuhause aus gefördert, keine Chance haben auf eine Gymnasialempfehlung. Ich kann Ihnen ziemlich sicher im ersten Elternabend der ersten Klasse, wenn ich die Elternschaft sehe, bereits sagen, welche Kinder am Ende der vierten Klasse eine "Bildungschance" haben und welche nicht. Und nicht etwa deshalb weil Letztere weniger intelligent wären als der Rest der Klasse, sondern weil das Elternhaus sie nicht unterstützen kann oder will.
Hat nun ein Kind tatsächlich nach einer stressigen 4. Klasse, in der bei vielen Schüler/innen bereits heftig in Nachhilfe investiert wird (soweit der Geldbeutel es hergibt), die Gymnasialempfehlung erhalten, so fragen sich - insb. Alleinerziehende, aber auch immer mehr Eltern, die keine akademische Ausbildung haben oder beide berufstätig sind, ob sie ihr Kind auf das Gymnasium schicken - weil sie - die Eltern - nicht wissen, ob sie genügend Zeit oder Geld oder Grips haben, um ihre Kinder so unterstützen zu können, dass sie das Gymnasium schaffen...
Und diese Eltern stellen sich zu Recht diese Frage!
In der 5. Klasse unseres 2. Sohnes haben die Elternsprecher eine Umfrage durchgeführt, bei der ein täglicher Elterneinsatz von 30 - 60 Minuten festgestellt wurde; vor Klassenarbeiten potenziert sich dieser Aufwand!
Insbesondere die Sprachen machen den Kleinen das Leben schwer. Bei uns fängt man nach wie vor mit 2 Fremdsprachen (Englisch/ Latein oder Englisch Französisch) an. Viele Eltern wählen die Kombination Englisch / Latein, da bei Latein der Transfer des Schreibens wegfällt.
Während unser 7. Klässer im G 8 noch mit dem Lateinbuch für das G9 arbeitet(e), hat unser 5. Klässer ein neues, auf das G8 zugeschnittenes Lateinbuch. Dort durften die lieben Kleinen sich in der 2. Lektion bereits mit 3 Konjugationen und 5 Deklinationen beschäftigen; die Texte waren ab der 2. Lektion länger als die seines 2 Jahre älteren Bruder...
Auf dem 1. Elternabend schimpfte ein Vater, dass für dieses Unterrichtswerk wohl als Minimalvoraussetzung das kleine Latinum eines Elternteil vonnöten sei, während sich ein paar Eltern verzweifelt als "Nichtlateiner" outeten...
Es trifft an unserer Schule (die nicht als Eliteschule gilt) tatsächlich zu, dass oft wenigstens ein Elternteil studiert hat, dass es wenig Kinder aus "bildungsfernen" Schichten gibt - die sind nämlich bis zum diesem Zeitpunkt schon aussortiert.
Wenn Sie nun gestern wieder betonten, dass das baden-württembergische Schulsystem durchlässig sei, dann muss ich Sie fragen, in welche Richtung?
Es ist wohl wahr, dass die Kinder ganz schnell vom Gymnasium auf die Realschule wechseln können - egal in welcher Klassenstufe, doch ein Wechsel von der Realschule auf das Gymnasium ist, einmal ins dreigliedrige Schulsystem einsortiert - dank G8 - erst nach der 10 Klasse wieder möglich und dann sinnvollerweise nur auf ein technisches- oder Wirtschaftsgymnasium, was bedeutet, dass wir wieder bei 13 Jahren bis zum Abitur sind...
Der bereits anglaufene Trend, Kinder mit Gymnasialempfehlung eher auf die Realschule zu schicken, ihnen mehr Kindheit und den Eltern mehr Zeit zu lassen, wird sich drastisch verstärken!
Das G8 hat die Milieufrage im Hinblick auf Bildungskarrieren extrem zugespitzt!!!
Jetzt frage ich Sie: Brauchen wir schon allein durch die demografische Entwicklung nicht jetzt schon händeringend möglichst viele gut ausgebildete junge Menschen? Warum stellen Sie dann mit dem G8 (so wie es momentan läuft) die Weichen in die Richtung, dass hauptsächlich Kinder der Bildungsbürger an dieser Schullaufbahn partiziperen können? Und wenn Sie mir entgegnen: "Die anderen können ja über die Realschulschule und Aufbaugymnasien auch zum Abitur kommen" - dann frage ich Sie: Wenn hier ein Jahr Schulzeit länger in Kauf genommen wird, wozu dann an den Gymnasien die Reduzierung von 9 auf 8 Jahren?
Das G8, wie ich es momentan in BA-WÜ erlebe, ist weder Kindern, noch Lehrern noch Eltern in dieser Form zuzumuten:
Die Lehrer, v.a. in den Sprachen, kürzen den Stoff um die vertiefenden Elemente, die Eltern versuchen am Nachmittag, am Wochenende und in den Ferien die Vertiefung, die in der Schule nur noch sehr bedingt stattfindet, zu leisten, und die Schüler haben letztlich überhaupt keine Freiräume mehr, in denen sie wirkliche Freizeit haben, in der z.B. soziales Lernen / sozialer Umgang eingeübt werden könnte...
Wenn Sie dieses vermaledeite eine Jahr einsparen wollen (wozu das gut sein soll, ist ohnehin nicht klar), dann müssen Sie auch die Voraussetzungen schaffen:
Das G8 ist dann nur in einer Ganztagesschule möglich, in der durch mehr Unterricht auch wieder Vertiefung stattfindet, in der die Kinder, wenn sie nachmittags nach Hause kommen, größtenteils fertig sind mit der Hausarbeit, in der Eltern entlastet werden und in der v.a. auch Schülern eine Chance gegeben wird, deren Eltern das "Coachingprogramm" nicht leisten können!
Das kostet Geld und spart nicht etwa Geld ein, wie bei einem Jahr Schulverkürzung ohne Nachmittagsunterricht! Aber: von nix kommt nix!!!
Ich war eigentlich immer gegen die Verlängerung der Grundschule, Gesamtschulen und "Gleichmacherei" in der Schulpolitik, aber die Praxis vor Ort lehrte mich umzudenken:
Ich finde die Chancenlosigkeit breiter Bevölkerungsschichten auf gute Bildung UNERTRÄGLICH!!!
Es kann doch nicht sein, dass Bildungschancen von Elternbildung, Elterngeldbeutel und Elternzeit abhängen! Aber genau so ist die Praxis!!!
Wir als Gesellschaft können es uns nicht leisten, so viel "Bildungs-Potential" nicht optimal zu fördern! Um das Überleben unserer (alternden) Gesellschaft zu sichern, müsste der größte Ausgabentopf für Bildung sein.
Und wenn wir alle Bevölkerungsschichten erreichen wollen, geht das nur über Ganztagsschulen! Auch diese lehnte ich immer grundsätzlich ab, aber ich kann meine Augen nicht verschließen, vor Eltern, die ihrer Erziehungsaufgabe nicht gerecht werden, die über Arbeitslosigkeit und Hartz IV keinem geregelten Tagesablauf mehr nachgehen können, vor überforderten Müttern, deren Partner sich längst absetzten und die jetzt mit ihren Kindern schauen müssen, wie sie klarkommen... Wenn sich für deren Kinder etwas verbessern soll, sie nicht in der gleichen Misere wie ihre Eltern verharren sollen, dann müssen in einem strukturierten Tagesablauf die Chance auf Bildung haben - und das geht nur mit Ganztagsschulen!
Aus diesen Erfahrungen heraus, die unendlich viele Eltern auch machen, aus der Verantwortung heraus, auch bildungsferne Schichten an Bildung teilnehmen zu lassen, aus der Sorge heraus, wie eine alternde Gesellschaft aussehen wird, die nicht genügend Junge,v.a. gut ausgebildete Junge hat, die die Arbeit übernehmen sollen, bitte ich Sie und die CDU in Baden Württemberg als regierende Kraft, Ihre Einstellungen zur Bildungspolitik zu überdenken und zu ändern!
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2008-02-27
2007-10-28
Überforderte Prinzen
Was Frau Hümpel hier schreibt, kann ich genauso 100%ig unterschreiben... Auch wenn sich das Ganze bei uns In Baden-Württemberg abspielt - leider ist es deshalb auch nicht besser... Mal davon abgesehen, dass wir an unserer Schule das Glück einer Kantine haben...:
Alle leiden, keiner tut was: Die Familien sind die Leidtragenden der G8-Reform in Bayern, durch die das Gymnasium von neun auf acht Jahre verkürzt wurde. Aber keiner traut sich so richtig aufzubegehren. Liegt es daran, dass jeder ein paar Bekannte hat, deren Kinder angeblich ganz gut mit dem G8 klarkommen? Oder liegt es daran, dass jeder heimlich zweifelt, ob es nicht doch nur die eigenen Kinder sind, die vom G8 überfordert sind? Vielleicht glauben wir Eltern auch, dass wir langfristig nur global konkurrieren können, wenn wir uns dem Schulwahn der Chinesen und Japaner anpassen?
Alle leiden, keiner tut was: Die Familien sind die Leidtragenden der G8-Reform in Bayern, durch die das Gymnasium von neun auf acht Jahre verkürzt wurde. Aber keiner traut sich so richtig aufzubegehren. Liegt es daran, dass jeder ein paar Bekannte hat, deren Kinder angeblich ganz gut mit dem G8 klarkommen? Oder liegt es daran, dass jeder heimlich zweifelt, ob es nicht doch nur die eigenen Kinder sind, die vom G8 überfordert sind? Vielleicht glauben wir Eltern auch, dass wir langfristig nur global konkurrieren können, wenn wir uns dem Schulwahn der Chinesen und Japaner anpassen?
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Überforderung
2007-10-21
Der Wahnsinn geht weiter - das G 8 (achtjährige Gymnasium) hat jetzt speziell abgestimmte Bücher...
Unser Jüngster ist jetzt die 6. Woche in der 5. Klasse in einem Gymnasium in Baden-Würrtemberg. An dieser Schule, die auch seine beiden Brüder "beherbergt", wird mit zweiFremdsprachen begonnen.
EXKURS: Nachdem das Land keine einheitliche Lösung zu diesem Problem vorgab, entscheiden jetzt die Gymnasien selbst, ob sie mit einer oder zwei Fremdsprachen in der 5. Klasse durchstarten. So kommt es allerorts zu der irrwitzigen Situation, dass Schüler nicht mal mehr in der gleichen Stadt problemlos das Gymnasium wechseln könnten - wenn sie denn wollten...
Seit in der 5. Klasse vor zwei Jahren mit 2 Fremdsprachen gleichzeitig begonnen wurde, erleben die Latein-/Englischklassen einen Boom. Kein Wunder, eine adäquate pädagogische Antwort darauf, wie man gleichzeitig zwei lebende Sprachen einführt, die völlig unterschiedlich geschrieben wie gesprochen werden, kann man den Eltern nach wie vor nicht geben... Während es bei unserem Ältesten von fünf 5. Klassen nur eine Lateinklasse gab, hatten sich beim Jahrgang des Mittleren schlagartig so viel Schüler für Latein eintschieden, dass sie für 2 1/2 Klassen ausreichten und jetzt sind es, glaube ich, drei Lateinklassen...
Vor zwei Jahren mussten die frischgebackenen Fünftklässler noch mit Büchern aus dem neunjährigen Gymnasium vorlieb nehmen, was v.a. in den Sprachen zu Schwierigkeiten führte. Die Lateinlehrerin sagte damals klipp und klar: Sie habe jetzt nur noch vier Wochenstunden zu Verfügung, wozu sie im neunjährigen Gymnasium sechs Wochenstunden gehabt hatte.
Die Englischlehrerin meinte, die Fachschaft Englisch habe die Bücher "entrümpelt", damit es für´s G 8 passend sei. Auf Nachfrage der Eltern, wieviele Vokabeln oder Zeiten gestrichen worden seien (denn wie will man eine Sprachbücher entrümpeln?), stelle sich heraus, dass die spielerischen, vertiefenden Elemente gestrichen wurden - das Vertiefen obliegt im G 8 sowieso den Eltern...
Als nun mein Jüngster mit den neuen, speziell für´s G 8 konzipierten Büchern zuhause ankam, dachte ich noch: "Na endlich!"...
Jetzt, etwas mehr als fünf Wochen später, wünsche ich mir in Latein das alte Buch bereits zurück: In der 1. - 2. Lektion (die jetzt abgeschlossen ist) wurden über 70 Vokabeln gelernt (in Englisch zum Vergleich in der gleichen Zeit über 90...), 3 verschiedene Deklinationen und 5 verschiedene Konjugationen eingeführt (nicht in allen Fällen und Personen, aber immerhin...). Die Übersetzungstexte sind länger als im Vorgängerbuch in der 8. Klasse, es tummeln sich hier Satzungetüme mit Haupt-, Nebensätzen, mehreren Infinitiven, etc.
Die Lateinlehrerin wollte auf dem Elternabend "das neue Konzept" dieses Buches vorstellen - ein Vater fiel ihr ins Wort:"Das Konzept beinhaltet wohl, dass man davon ausgeht, die Eltern können Latein und unterstützen zuahuse ausgiebig den Lehrer!" - Aus manchen Ecken des Klassenzimmers kam von Eltern völlig verzweifelt: "Wir können aber kein Latein!" -
Pech gehabt, kann man da nur sagen! Sie brauchen schon eine gymnasiale Laufbahn, wenn Sie ihr Kind in Ba-Wü aufs Gymnasium schicken wollen und wenn Sie es gar noch in eine Lateinklasse in der 5. Klasse anmelden, sollten sie schon das kleine Latinum als Minimalvoraussetzung haben!
Wo kämen wir denn da hin, wenn Hinz und Kunz ihrem Nachwuchs einfach eine höhere Schulbildung angedeihen lassen wollte! Bleiben wir doch dabei, dass nur bildungsnahe Schichten mit funktionierendem Elternhaus (denn nur so bleibt ausreichend Zeit zum "Kindercoaching") ihre Sprösslinge zu höheren schulischen Weihen führen können - wir haben ja genügend gut ausgebildete Fachkräfte in diesem unserem Lande...
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EXKURS: Nachdem das Land keine einheitliche Lösung zu diesem Problem vorgab, entscheiden jetzt die Gymnasien selbst, ob sie mit einer oder zwei Fremdsprachen in der 5. Klasse durchstarten. So kommt es allerorts zu der irrwitzigen Situation, dass Schüler nicht mal mehr in der gleichen Stadt problemlos das Gymnasium wechseln könnten - wenn sie denn wollten...
Seit in der 5. Klasse vor zwei Jahren mit 2 Fremdsprachen gleichzeitig begonnen wurde, erleben die Latein-/Englischklassen einen Boom. Kein Wunder, eine adäquate pädagogische Antwort darauf, wie man gleichzeitig zwei lebende Sprachen einführt, die völlig unterschiedlich geschrieben wie gesprochen werden, kann man den Eltern nach wie vor nicht geben... Während es bei unserem Ältesten von fünf 5. Klassen nur eine Lateinklasse gab, hatten sich beim Jahrgang des Mittleren schlagartig so viel Schüler für Latein eintschieden, dass sie für 2 1/2 Klassen ausreichten und jetzt sind es, glaube ich, drei Lateinklassen...
Vor zwei Jahren mussten die frischgebackenen Fünftklässler noch mit Büchern aus dem neunjährigen Gymnasium vorlieb nehmen, was v.a. in den Sprachen zu Schwierigkeiten führte. Die Lateinlehrerin sagte damals klipp und klar: Sie habe jetzt nur noch vier Wochenstunden zu Verfügung, wozu sie im neunjährigen Gymnasium sechs Wochenstunden gehabt hatte.
Die Englischlehrerin meinte, die Fachschaft Englisch habe die Bücher "entrümpelt", damit es für´s G 8 passend sei. Auf Nachfrage der Eltern, wieviele Vokabeln oder Zeiten gestrichen worden seien (denn wie will man eine Sprachbücher entrümpeln?), stelle sich heraus, dass die spielerischen, vertiefenden Elemente gestrichen wurden - das Vertiefen obliegt im G 8 sowieso den Eltern...
Als nun mein Jüngster mit den neuen, speziell für´s G 8 konzipierten Büchern zuhause ankam, dachte ich noch: "Na endlich!"...
Jetzt, etwas mehr als fünf Wochen später, wünsche ich mir in Latein das alte Buch bereits zurück: In der 1. - 2. Lektion (die jetzt abgeschlossen ist) wurden über 70 Vokabeln gelernt (in Englisch zum Vergleich in der gleichen Zeit über 90...), 3 verschiedene Deklinationen und 5 verschiedene Konjugationen eingeführt (nicht in allen Fällen und Personen, aber immerhin...). Die Übersetzungstexte sind länger als im Vorgängerbuch in der 8. Klasse, es tummeln sich hier Satzungetüme mit Haupt-, Nebensätzen, mehreren Infinitiven, etc.
Die Lateinlehrerin wollte auf dem Elternabend "das neue Konzept" dieses Buches vorstellen - ein Vater fiel ihr ins Wort:"Das Konzept beinhaltet wohl, dass man davon ausgeht, die Eltern können Latein und unterstützen zuahuse ausgiebig den Lehrer!" - Aus manchen Ecken des Klassenzimmers kam von Eltern völlig verzweifelt: "Wir können aber kein Latein!" -
Pech gehabt, kann man da nur sagen! Sie brauchen schon eine gymnasiale Laufbahn, wenn Sie ihr Kind in Ba-Wü aufs Gymnasium schicken wollen und wenn Sie es gar noch in eine Lateinklasse in der 5. Klasse anmelden, sollten sie schon das kleine Latinum als Minimalvoraussetzung haben!
Wo kämen wir denn da hin, wenn Hinz und Kunz ihrem Nachwuchs einfach eine höhere Schulbildung angedeihen lassen wollte! Bleiben wir doch dabei, dass nur bildungsnahe Schichten mit funktionierendem Elternhaus (denn nur so bleibt ausreichend Zeit zum "Kindercoaching") ihre Sprösslinge zu höheren schulischen Weihen führen können - wir haben ja genügend gut ausgebildete Fachkräfte in diesem unserem Lande...
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achtjähriges Gymnasium,
Baden-Württemberg,
G 8,
Latein,
Sprachen
2007-06-12
4. G 8 - nein, nicht DER Gipfel... G 8 ist der Gipfel
Während momentan unter G 8 der Gipfel in Heiligendamm in aller Munde ist / war, haben wir das Vergnügen, mit dem achtjährigen Gymnasium in Baden-Württemberg Bekanntschaft zu machen.
Just während wir einerseits an der "Grundschulfront" kämpften, wurde unser Mittlerer in das achtjährige Gymnasium eingeschult, bei dem es gleich mit zwei Fremdsprachen auf einmal losgeht.
Die Möglichkeiten hierfür an unserer Schule sind Englisch / Latein, oder Englisch /Französisch.
Auf einem Elternabend im Vorfeld wollte ich wissen, mit welchem "pädagogischen Konzept" man zwei lebende Sprachen, die so unterschiedlich gesprochen und geschrieben werden wie Englisch und Französisch unterrichten wird...?
Nur der Hinweis, dass die Erfahrungen in anderen Ländern zeigten, dass dies funktioniere, kam als Antwort. Nach dem Elternabend kamen einige Fachlehrer auf mich zu und sagten hinter vorgehaltener Hand, sie hätten keine Ahnung, wie das klappen könne, sie wüssten noch überhaupt nicht, was auf sie zukäme, es sei doch vermutlich sinnvoller, Englisch und Latein zu wählen...
Für diese Kombination entschieden wir uns dann auch.
Kurz gesagt, die 5. Klasse wurde für unseren Mittleren (und z.T. auch für uns...) zur "Sprachenhölle"... 30 Vokabeln Englisch, dazu 10 in Latein waren durchaus keine Seltenheit!
Zum einen gab es für Latein und Englisch keine Lehrbücher, die für das achtjährige Gymnasium geschrieben waren. Die Lateinlehrerin sagte mir auch ohne Umschweife, dass sie den gleichen Stoff den Schülern beibringen müsse, nur dass sie eben statt 6 nur noch 4 Stunden zur Verfügung habe. Ah ja! So war das also mit dem G 8 gemeint! Wo will man bei Sprachen auch den Lehrstoff entrümpeln? Soll man ein paar Deklinationen oder Zeiten o.ä. weglassen?
Die (alten) Englischbücher wurden schulintern gekürzt; das bedeutete aber natürlich nicht, dass sich Grammatik oder Vokabeln verringerten, sondern die spielerischen Elemente (die letztlich der Vertiefung dienen), sollen nun weggelassen werden.
Die Vertiefung erledigen ab sofort die Eltern!!!
Nach allgemeinem Aufstöhnen der 5.Klässer wurde eine Umfrage in den einzelnen Klassen durchgeführt mit dem Ergebnis, dass (inklusive Schulweg) die 5.Klässer eine durchschnittliche Wochenbelastung von 47 Stunden haben, der durchschnittliche Einsatz der Eltern pro Woche betrug 4,5 Stunden. Je nach Klassenarbeitssituation konnte sich dieses Pensum erheblich erhöhen...
Psychosomatische Auffälligkeiten der Schüler waren nicht unüblich.
Wir haben in unserer Klasse die Erfahrung gemacht, ohne Eltern, die den 5.Klässern helfen, die Stofffülle in Häppchen zu servieren, die abhören, die sich Gedanken um Fragestellungen für die nächste Arbeit machen etc. läuft gar nichts! Pisa wird hier komplett bestätigt, denn Kinder aus sog. "bildungsfernem Elternhaus" haben schlichtweg keine Chance mehr!
Außerdem ist die durch das G8 auch die schulartdurchlässige Orientierungsstufe abgeschafft, denn ein Wechsel von der Realschule auf Gymnasium nach der 6. Klasse wird unmöglich.
Das alles heißt: Aussortiert wird nach 4. Klasse, keine Chance für Spätzünder oder Kinder ohne elterliche Unterstützung, und für die Eltern: reduziert Eure Arbeit, damit Ihr in der Lage seid, Eure Sprößlinge so lange zu unterstützen, bis sie "auf der richtigen Spur sind"...
Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, wird deutlich, dass die "Bildungsschere" immer weiter aufgeht! In "meinem" Gymnasium waren hauptsächlich "Arbeiterkinder"; die meisten unserer Eltern hatten weder Zeit, noch Geld, noch Voraussetzungen, uns großartig zu unterstützen - und wir haben es auch so geschafft! Heute wäre das undenkbar!
Und auch alle die, die nicht aufs Gymnasium gingen (und das waren "zu meiner Zeit" noch genügend, auch v.a. Hauptschüler) konnten mit ihrem Abschluss einen "ordentlichen Beruf" erlernen, eine Weiterbildung anstreben, hatten aber auf alle Fälle einen brauchbaren Abschluss inklusive der entscheidenten Grundkenntnisse in Mathe und Deutsch!
Wie kam es zu dieser eklatanten Schieflage während der letzten 25 Jahre???
Bildungsgerechtigkeit

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Just während wir einerseits an der "Grundschulfront" kämpften, wurde unser Mittlerer in das achtjährige Gymnasium eingeschult, bei dem es gleich mit zwei Fremdsprachen auf einmal losgeht.
Die Möglichkeiten hierfür an unserer Schule sind Englisch / Latein, oder Englisch /Französisch.
Auf einem Elternabend im Vorfeld wollte ich wissen, mit welchem "pädagogischen Konzept" man zwei lebende Sprachen, die so unterschiedlich gesprochen und geschrieben werden wie Englisch und Französisch unterrichten wird...?
Nur der Hinweis, dass die Erfahrungen in anderen Ländern zeigten, dass dies funktioniere, kam als Antwort. Nach dem Elternabend kamen einige Fachlehrer auf mich zu und sagten hinter vorgehaltener Hand, sie hätten keine Ahnung, wie das klappen könne, sie wüssten noch überhaupt nicht, was auf sie zukäme, es sei doch vermutlich sinnvoller, Englisch und Latein zu wählen...
Für diese Kombination entschieden wir uns dann auch.
Kurz gesagt, die 5. Klasse wurde für unseren Mittleren (und z.T. auch für uns...) zur "Sprachenhölle"... 30 Vokabeln Englisch, dazu 10 in Latein waren durchaus keine Seltenheit!
Zum einen gab es für Latein und Englisch keine Lehrbücher, die für das achtjährige Gymnasium geschrieben waren. Die Lateinlehrerin sagte mir auch ohne Umschweife, dass sie den gleichen Stoff den Schülern beibringen müsse, nur dass sie eben statt 6 nur noch 4 Stunden zur Verfügung habe. Ah ja! So war das also mit dem G 8 gemeint! Wo will man bei Sprachen auch den Lehrstoff entrümpeln? Soll man ein paar Deklinationen oder Zeiten o.ä. weglassen?
Die (alten) Englischbücher wurden schulintern gekürzt; das bedeutete aber natürlich nicht, dass sich Grammatik oder Vokabeln verringerten, sondern die spielerischen Elemente (die letztlich der Vertiefung dienen), sollen nun weggelassen werden.
Die Vertiefung erledigen ab sofort die Eltern!!!
Nach allgemeinem Aufstöhnen der 5.Klässer wurde eine Umfrage in den einzelnen Klassen durchgeführt mit dem Ergebnis, dass (inklusive Schulweg) die 5.Klässer eine durchschnittliche Wochenbelastung von 47 Stunden haben, der durchschnittliche Einsatz der Eltern pro Woche betrug 4,5 Stunden. Je nach Klassenarbeitssituation konnte sich dieses Pensum erheblich erhöhen...
Psychosomatische Auffälligkeiten der Schüler waren nicht unüblich.
Wir haben in unserer Klasse die Erfahrung gemacht, ohne Eltern, die den 5.Klässern helfen, die Stofffülle in Häppchen zu servieren, die abhören, die sich Gedanken um Fragestellungen für die nächste Arbeit machen etc. läuft gar nichts! Pisa wird hier komplett bestätigt, denn Kinder aus sog. "bildungsfernem Elternhaus" haben schlichtweg keine Chance mehr!
Außerdem ist die durch das G8 auch die schulartdurchlässige Orientierungsstufe abgeschafft, denn ein Wechsel von der Realschule auf Gymnasium nach der 6. Klasse wird unmöglich.
Das alles heißt: Aussortiert wird nach 4. Klasse, keine Chance für Spätzünder oder Kinder ohne elterliche Unterstützung, und für die Eltern: reduziert Eure Arbeit, damit Ihr in der Lage seid, Eure Sprößlinge so lange zu unterstützen, bis sie "auf der richtigen Spur sind"...
Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, wird deutlich, dass die "Bildungsschere" immer weiter aufgeht! In "meinem" Gymnasium waren hauptsächlich "Arbeiterkinder"; die meisten unserer Eltern hatten weder Zeit, noch Geld, noch Voraussetzungen, uns großartig zu unterstützen - und wir haben es auch so geschafft! Heute wäre das undenkbar!
Und auch alle die, die nicht aufs Gymnasium gingen (und das waren "zu meiner Zeit" noch genügend, auch v.a. Hauptschüler) konnten mit ihrem Abschluss einen "ordentlichen Beruf" erlernen, eine Weiterbildung anstreben, hatten aber auf alle Fälle einen brauchbaren Abschluss inklusive der entscheidenten Grundkenntnisse in Mathe und Deutsch!
Wie kam es zu dieser eklatanten Schieflage während der letzten 25 Jahre???
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Gymnasium - Schüler und Eltern überfordert
Elternumfrage zeigt wachsende Belastung der Familien durch achtjähriges Gymnasium
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