Sehr geehrter Herr Kultusminister Rau,
auch wenn ich davon ausgehe, dass Sie schon tausende von Zuschriften erhalten haben werden, möchte ich mich auf diese Weise an Sie wenden, in der Hoffnung, dass diese Zeilen Sie erreichen.
Als betroffene Mutter habe ich vorgestern interessiert die Landtagsdebatte über das Schulsystem in Baden-Württemberg verfolgt und war wirklich erstaunt, über die unterschiedlichen Realitäten, in denen wir leben.
Wir haben drei Söhne die auf ein Gymnasium gehen in den Klassenstufen 5,7 und 9 (also zwei Mal G8 und einmal G9).
Ohne mich loben zu wollen, muss ich feststellen, dass vielleicht alle unsere Kinder, zumindest aber die beiden Jüngeren nicht auf dem Gymnasium wären, hätte ich nicht unendlich viel Zeit in die "Beschulung" zuhause investiert - wäre ich z.B. alleinerziehend und / oder Vollzeit berufstätig.
Sie könnten jetzt natürlich denken: "Wenn sie so viel Zeit investieren musste, sind die Kinder offensichtlich nicht intelligent genug und sollten nicht auf das Gymnasium".
Das ist nun aber nicht der Fall: meine Jungs sind intelligent, nur nicht sehr strukturiert, wie die Mehrzahl der Jungs im Vergleich zu den Mädchen.
Leider kann schon nicht mehr in der Grundschule auf individuelle Förderung eingegangen werden, so dass Kinder, die nicht "stromlinienförmig" sind, werden sie nicht von zuhause aus gefördert, keine Chance haben auf eine Gymnasialempfehlung. Ich kann Ihnen ziemlich sicher im ersten Elternabend der ersten Klasse, wenn ich die Elternschaft sehe, bereits sagen, welche Kinder am Ende der vierten Klasse eine "Bildungschance" haben und welche nicht. Und nicht etwa deshalb weil Letztere weniger intelligent wären als der Rest der Klasse, sondern weil das Elternhaus sie nicht unterstützen kann oder will.
Hat nun ein Kind tatsächlich nach einer stressigen 4. Klasse, in der bei vielen Schüler/innen bereits heftig in Nachhilfe investiert wird (soweit der Geldbeutel es hergibt), die Gymnasialempfehlung erhalten, so fragen sich - insb. Alleinerziehende, aber auch immer mehr Eltern, die keine akademische Ausbildung haben oder beide berufstätig sind, ob sie ihr Kind auf das Gymnasium schicken - weil sie - die Eltern - nicht wissen, ob sie genügend Zeit oder Geld oder Grips haben, um ihre Kinder so unterstützen zu können, dass sie das Gymnasium schaffen...
Und diese Eltern stellen sich zu Recht diese Frage!
In der 5. Klasse unseres 2. Sohnes haben die Elternsprecher eine Umfrage durchgeführt, bei der ein täglicher Elterneinsatz von 30 - 60 Minuten festgestellt wurde; vor Klassenarbeiten potenziert sich dieser Aufwand!
Insbesondere die Sprachen machen den Kleinen das Leben schwer. Bei uns fängt man nach wie vor mit 2 Fremdsprachen (Englisch/ Latein oder Englisch Französisch) an. Viele Eltern wählen die Kombination Englisch / Latein, da bei Latein der Transfer des Schreibens wegfällt.
Während unser 7. Klässer im G 8 noch mit dem Lateinbuch für das G9 arbeitet(e), hat unser 5. Klässer ein neues, auf das G8 zugeschnittenes Lateinbuch. Dort durften die lieben Kleinen sich in der 2. Lektion bereits mit 3 Konjugationen und 5 Deklinationen beschäftigen; die Texte waren ab der 2. Lektion länger als die seines 2 Jahre älteren Bruder...
Auf dem 1. Elternabend schimpfte ein Vater, dass für dieses Unterrichtswerk wohl als Minimalvoraussetzung das kleine Latinum eines Elternteil vonnöten sei, während sich ein paar Eltern verzweifelt als "Nichtlateiner" outeten...
Es trifft an unserer Schule (die nicht als Eliteschule gilt) tatsächlich zu, dass oft wenigstens ein Elternteil studiert hat, dass es wenig Kinder aus "bildungsfernen" Schichten gibt - die sind nämlich bis zum diesem Zeitpunkt schon aussortiert.
Wenn Sie nun gestern wieder betonten, dass das baden-württembergische Schulsystem durchlässig sei, dann muss ich Sie fragen, in welche Richtung?
Es ist wohl wahr, dass die Kinder ganz schnell vom Gymnasium auf die Realschule wechseln können - egal in welcher Klassenstufe, doch ein Wechsel von der Realschule auf das Gymnasium ist, einmal ins dreigliedrige Schulsystem einsortiert - dank G8 - erst nach der 10 Klasse wieder möglich und dann sinnvollerweise nur auf ein technisches- oder Wirtschaftsgymnasium, was bedeutet, dass wir wieder bei 13 Jahren bis zum Abitur sind...
Der bereits anglaufene Trend, Kinder mit Gymnasialempfehlung eher auf die Realschule zu schicken, ihnen mehr Kindheit und den Eltern mehr Zeit zu lassen, wird sich drastisch verstärken!
Das G8 hat die Milieufrage im Hinblick auf Bildungskarrieren extrem zugespitzt!!!
Jetzt frage ich Sie: Brauchen wir schon allein durch die demografische Entwicklung nicht jetzt schon händeringend möglichst viele gut ausgebildete junge Menschen? Warum stellen Sie dann mit dem G8 (so wie es momentan läuft) die Weichen in die Richtung, dass hauptsächlich Kinder der Bildungsbürger an dieser Schullaufbahn partiziperen können? Und wenn Sie mir entgegnen: "Die anderen können ja über die Realschulschule und Aufbaugymnasien auch zum Abitur kommen" - dann frage ich Sie: Wenn hier ein Jahr Schulzeit länger in Kauf genommen wird, wozu dann an den Gymnasien die Reduzierung von 9 auf 8 Jahren?
Das G8, wie ich es momentan in BA-WÜ erlebe, ist weder Kindern, noch Lehrern noch Eltern in dieser Form zuzumuten:
Die Lehrer, v.a. in den Sprachen, kürzen den Stoff um die vertiefenden Elemente, die Eltern versuchen am Nachmittag, am Wochenende und in den Ferien die Vertiefung, die in der Schule nur noch sehr bedingt stattfindet, zu leisten, und die Schüler haben letztlich überhaupt keine Freiräume mehr, in denen sie wirkliche Freizeit haben, in der z.B. soziales Lernen / sozialer Umgang eingeübt werden könnte...
Wenn Sie dieses vermaledeite eine Jahr einsparen wollen (wozu das gut sein soll, ist ohnehin nicht klar), dann müssen Sie auch die Voraussetzungen schaffen:
Das G8 ist dann nur in einer Ganztagesschule möglich, in der durch mehr Unterricht auch wieder Vertiefung stattfindet, in der die Kinder, wenn sie nachmittags nach Hause kommen, größtenteils fertig sind mit der Hausarbeit, in der Eltern entlastet werden und in der v.a. auch Schülern eine Chance gegeben wird, deren Eltern das "Coachingprogramm" nicht leisten können!
Das kostet Geld und spart nicht etwa Geld ein, wie bei einem Jahr Schulverkürzung ohne Nachmittagsunterricht! Aber: von nix kommt nix!!!
Ich war eigentlich immer gegen die Verlängerung der Grundschule, Gesamtschulen und "Gleichmacherei" in der Schulpolitik, aber die Praxis vor Ort lehrte mich umzudenken:
Ich finde die Chancenlosigkeit breiter Bevölkerungsschichten auf gute Bildung UNERTRÄGLICH!!!
Es kann doch nicht sein, dass Bildungschancen von Elternbildung, Elterngeldbeutel und Elternzeit abhängen! Aber genau so ist die Praxis!!!
Wir als Gesellschaft können es uns nicht leisten, so viel "Bildungs-Potential" nicht optimal zu fördern! Um das Überleben unserer (alternden) Gesellschaft zu sichern, müsste der größte Ausgabentopf für Bildung sein.
Und wenn wir alle Bevölkerungsschichten erreichen wollen, geht das nur über Ganztagsschulen! Auch diese lehnte ich immer grundsätzlich ab, aber ich kann meine Augen nicht verschließen, vor Eltern, die ihrer Erziehungsaufgabe nicht gerecht werden, die über Arbeitslosigkeit und Hartz IV keinem geregelten Tagesablauf mehr nachgehen können, vor überforderten Müttern, deren Partner sich längst absetzten und die jetzt mit ihren Kindern schauen müssen, wie sie klarkommen... Wenn sich für deren Kinder etwas verbessern soll, sie nicht in der gleichen Misere wie ihre Eltern verharren sollen, dann müssen in einem strukturierten Tagesablauf die Chance auf Bildung haben - und das geht nur mit Ganztagsschulen!
Aus diesen Erfahrungen heraus, die unendlich viele Eltern auch machen, aus der Verantwortung heraus, auch bildungsferne Schichten an Bildung teilnehmen zu lassen, aus der Sorge heraus, wie eine alternde Gesellschaft aussehen wird, die nicht genügend Junge,v.a. gut ausgebildete Junge hat, die die Arbeit übernehmen sollen, bitte ich Sie und die CDU in Baden Württemberg als regierende Kraft, Ihre Einstellungen zur Bildungspolitik zu überdenken und zu ändern!
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2008-02-27
2007-07-02
14. Epilog
Dieses 3. Schuljahr war wahrscheinlich für fast alle Beteiligten mindestens die Vorhölle:
Für die Kinder zuallererst, denn sie wurden von der neuen Situation der 3. Klasse, der neuen Klassenlehrerein Frau Mausgrau-Unsichtbar, der Noten, von einer instabilen chaotischen Situation in die nächste gestürzt, von einer ansatzweisen Stabilität war in diesem Schuljahr nichts vorhanden. Die Art und Weise, wie Hausaufgaben gegeben wurden, war bei jeder Lehrerin unterschiedlich, Sanktionen wurden nach unterschiedlichem Gusto vergeben, die Erwartungen an die Schüler differierte von Lehrer zu Lehrer – aber wie gesagt, ein gutes Training für die weiterführende Schule…
Der Unterricht in Deutsch hat bei meinem Sohn eine hochgradige Entmutigung bewirkt: bereits nach 2 Monaten Frau Nie-Nix-Gut kam er heim und sagte frustriert: „Deutsch kann ich sowieso nicht“ – eine Einstellung, die sich bis Schuljahresende, zumindest was Aufsätze und Diktate betrifft, gehalten, bzw. intensiviert hat und wenn der erste Aufsatz in Klasse 4 nicht gleich gut ausfällt, zementiert sich diese Einstellung.
Es ist schon klar, dass v.a. im ersten Halbjahr die Vertretungssituation das Kollegium, v.a. Rektorin Frau L´école-c´est-moi zum Rotieren brachte.
Warum aber wurden Eltern nicht miteinbezogen, z.B. auch im Unterricht – wahrscheinlich immer noch besser als über 40 Ausfallstunden (die die Rektorin Frau L´école-c´est-moi auf dem Elternabend leugnete, obwohl mindestens 2 Eltern „Strichlisten“ geführt hatten)! In privaten Grundschulen in einer ähnlichen Situation ist das durchaus möglich und üblich!
Besteht an einer staatlichen Schule wirlich kein Handlungsspielraum? Auch nicht, wenn´s
wirklich brennt??? Dann sollten die Eltern wirklich wenn es irgendwie geht, auf private Schulen wechseln - oder noch besser: privatisiert das deutsche Schulsystem!!!
An unserer Schule sind Eltern jedenfalls nur gut genug, um bei Schulfesten Kuchen zu backen oder die Grünflächen zu wässern – diesen Eindruck musste man in unserem Fall gewinnen, da es die Schulleitung nicht einmal für notwendig hielt, die Eltern über die aktuelle Situation zu informieren.
[LINK: „Eltern dürfen Kuchen backen und auf dem Sommerfest den Grill anwerfen“, ]
Warum behandelt man Eltern als „Doofies“?
[Wir die Schule heißen die Eltern willkommen, am Schulleben teilzunehmen und mitzuwirken.
Punkt 1 der Erziehungsvereinbarung
Wir, die Schule, informieren die Eltern über a. unterrichtliche Inhalte, b. die Lernentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung c. wichtige schulische Ereignisse.
Punkt 4 der Erziehungsvereinbarung].
Warum behandelt man die Schüler als „Doofies“ (Zuspätkommen der Rektorin bei der Mathearbeit, regelmäßiges Zuspätkommen der Klassenlehrerin) und nicht mit dem Respekt, den sie schließlich auch den Lehrern als ihren Vorbilder entgegenbringen sollen?
[Wir gehen respektvoll, offen und vertrauensvoll miteinander um. Wir erziehen unsere Kinder zu Ehrlichkeit, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Respekt, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Präambel der Erziehungsvereinbarung]
Warum ist es im staatlichen Schulsystem nicht möglich (im Gegensatz zu Privatschulen) unbürokratisch und schnell dauerhafte Feuerwehrlehrer/innen einzustellen oder das Deputat von vorhandenen aufzustocken? In unserem Fall hätte sich eine frisch pensionierte Lehrerin zur Verfügung gestellt, bzw. die neue Lehrerin, die sich im Dezember / Januar gemeldet hatte?
Wo bleibt hier das Wohl der Kinder im Blick?
Wie kann es sein, dass uns dann die vorgesetzte Schulbehörde eine „Lehrkraft“ schickt, die noch nicht fertig ausgebildet ist, die keinerlei pädagogisches Handwerkszeug mitbringt, sich selbst in dieser Situation aufreibt und für Kinder wie Eltern eine Zumutung ist?
Wo bleibt hier das Wohl der Kinder im Blick?
Warum konnten auf landespolitscher Ebene über Jahre hinweg wegen schlechterer Bedingungen Lehrer in andere Bundesländer in großer Zahl abgeworben werden, so dass heute der „Lehrermarkt“ bei uns mehr leergefegt ist?
Wo bleibt hier das Wohl der Kinder im Blick?
Last but not leat war es die „Vorhölle“ sicherlich auch für Frau Nie-Nix-Gut, denn neben allem, was in ihrem Unterricht gelaufen ist und an Negativem in den Kindern bewirkte ist es - auch ihr gegenüber – von der Schulbehörde unverantwortlich, jemanden mit ihrem Ausblidungslevel als Vertretungslehrerin zu schicken!
Für unsere Kinder / meinen Sohn kann ich nur hoffen, dass sie / er das Kapitel „Frau Nie-Nix-Gut“ möglichst schnell abhaken oder verdrängen, damit keine „Spätfolgen“ in Klasse 4 über sie / ihn kommen und dass die neue Klassenlehrerin diesbezüglich „ein gutes Händchen“ hat…
Rückblickend wäre es uns Eltern, selbst wenn es zu keiner komplett gemeinsamen Aktion gekommen wäre, sicherlich möglich gewesen, gemeinsam etwas zu erreichen – hätten wir uns regelmäßig getroffen, Informationen ausgetauscht, den Schulelternbeirat eher informiert und nicht vertauensseelig den Hinhaltetechniken von Schulbehörde und Rektorin geglaubt. Aber bis wir begriffen, war es zu spät…
Vielleicht sind Sie entsetzt über diesen Bericht und können sich nicht vorstellen, dass so etwas in der (Grund-)Schule vorkommt? Ich habe an keinem Punkt übertrieben, könnte zu jeder Situation „Ross und Reiter“ nennen!
Vielleicht sind Sie ja auch gar nicht entsetzt, weil Sie diese oder ähnliche Dinge selbst erlebt haben?!
Was nützt unseren Kindern hohler Aktionismus in punkto Lerninhalte aufgrund von Pisa-Studien, wenn profunde, normale Unterrichtsversorgung in Ausfallsituationen nicht gewährleistet werden kann? Wenn Stunden über Stunden ausfallen, weil einfach keine Vertretungslehrer kommen? Wenn wir abgespeist werden mit „Noch-Nicht-Lehrern“, die Kinder und Eltern entmutigen und frustrieren (und vermutlich selbst dabei verheizt werden)? Wenn Lehrer der Schule es an Ehrlichkeit, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Respekt,… fehlen lassen, zu der sie die Kinder eigentlich erziehen sollen?
Wenn alle Missstände und Probleme ausgesessen und unter den Teppich gekehrt werden - damit die Statistik stimmt?
Letztlich wird es so weit kommen, dass Eltern mit den Füßen abstimmen (wie ja bereits in unserer Klasse eingetreten – 2 Kinder wechseln während des Schuljahres, ein Kind danach die Schule), dass private Schulen immer mehr an Geltung gewinnen (ob das jedoch immer der Weisheit letzter Schluss ist?). Nach diesem Schuljahr ist mein Vertrauen in das staatliche Schulwesen und insbesondere auch in die vorgesetzte Schulbehörde auf nahezu Null geschwunden; in meinen Augen kein Licht am Ende des Tunnels.
Juli 2006 (Schuljahr 2005/2007)
Nachtrag Schuljahr 2006/2007
Wer hätte das gedacht: Frau Nie-Nix-Gut ist Referendarin an unserer Schule! Vielleicht wird sie bei dem momentanen Lehrermangel ja hier sogar eingestellt???!!! Das wäre sicherlich eine große Bereicherung für das hiesige Kollegium!
Nur gut, dass für uns die Grundschule in ein paar Monaten endgültig abgeschlossen ist!!!
Ich kenne aber genügend Eltern, die vor Ort von den hiesigen Zuständen so enttäuscht oder entsetzt sind, dass sie sich händeringend eine andere Option als unsere Grundschule suchen, auch wenn diese mit viel mehr Aufwand verbunden sein sollte.
Denn auch die vorgesetzte Schulbehörde ist ja nicht bereit zu handeln. Bei einem Anruf im ersten Halbjahr der 3. Klasse, bei der es u.a. um die Nichtkommunikation zwischen Schule und Eltern ging, bekam ich ein Lachen zu hören mit der Bemerkung „Wir wissen, dass bei Euch die Uhren anders laufen…“. Also bleibt nur, mit den Füßen abzustimmen und zu gehen!

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Für die Kinder zuallererst, denn sie wurden von der neuen Situation der 3. Klasse, der neuen Klassenlehrerein Frau Mausgrau-Unsichtbar, der Noten, von einer instabilen chaotischen Situation in die nächste gestürzt, von einer ansatzweisen Stabilität war in diesem Schuljahr nichts vorhanden. Die Art und Weise, wie Hausaufgaben gegeben wurden, war bei jeder Lehrerin unterschiedlich, Sanktionen wurden nach unterschiedlichem Gusto vergeben, die Erwartungen an die Schüler differierte von Lehrer zu Lehrer – aber wie gesagt, ein gutes Training für die weiterführende Schule…
Der Unterricht in Deutsch hat bei meinem Sohn eine hochgradige Entmutigung bewirkt: bereits nach 2 Monaten Frau Nie-Nix-Gut kam er heim und sagte frustriert: „Deutsch kann ich sowieso nicht“ – eine Einstellung, die sich bis Schuljahresende, zumindest was Aufsätze und Diktate betrifft, gehalten, bzw. intensiviert hat und wenn der erste Aufsatz in Klasse 4 nicht gleich gut ausfällt, zementiert sich diese Einstellung.
Es ist schon klar, dass v.a. im ersten Halbjahr die Vertretungssituation das Kollegium, v.a. Rektorin Frau L´école-c´est-moi zum Rotieren brachte.
Warum aber wurden Eltern nicht miteinbezogen, z.B. auch im Unterricht – wahrscheinlich immer noch besser als über 40 Ausfallstunden (die die Rektorin Frau L´école-c´est-moi auf dem Elternabend leugnete, obwohl mindestens 2 Eltern „Strichlisten“ geführt hatten)! In privaten Grundschulen in einer ähnlichen Situation ist das durchaus möglich und üblich!
Besteht an einer staatlichen Schule wirlich kein Handlungsspielraum? Auch nicht, wenn´s
wirklich brennt??? Dann sollten die Eltern wirklich wenn es irgendwie geht, auf private Schulen wechseln - oder noch besser: privatisiert das deutsche Schulsystem!!!
An unserer Schule sind Eltern jedenfalls nur gut genug, um bei Schulfesten Kuchen zu backen oder die Grünflächen zu wässern – diesen Eindruck musste man in unserem Fall gewinnen, da es die Schulleitung nicht einmal für notwendig hielt, die Eltern über die aktuelle Situation zu informieren.
[LINK: „Eltern dürfen Kuchen backen und auf dem Sommerfest den Grill anwerfen“, ]
Warum behandelt man Eltern als „Doofies“?
[Wir die Schule heißen die Eltern willkommen, am Schulleben teilzunehmen und mitzuwirken.
Punkt 1 der Erziehungsvereinbarung
Wir, die Schule, informieren die Eltern über a. unterrichtliche Inhalte, b. die Lernentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung c. wichtige schulische Ereignisse.
Punkt 4 der Erziehungsvereinbarung].
Warum behandelt man die Schüler als „Doofies“ (Zuspätkommen der Rektorin bei der Mathearbeit, regelmäßiges Zuspätkommen der Klassenlehrerin) und nicht mit dem Respekt, den sie schließlich auch den Lehrern als ihren Vorbilder entgegenbringen sollen?
[Wir gehen respektvoll, offen und vertrauensvoll miteinander um. Wir erziehen unsere Kinder zu Ehrlichkeit, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Respekt, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Präambel der Erziehungsvereinbarung]
Warum ist es im staatlichen Schulsystem nicht möglich (im Gegensatz zu Privatschulen) unbürokratisch und schnell dauerhafte Feuerwehrlehrer/innen einzustellen oder das Deputat von vorhandenen aufzustocken? In unserem Fall hätte sich eine frisch pensionierte Lehrerin zur Verfügung gestellt, bzw. die neue Lehrerin, die sich im Dezember / Januar gemeldet hatte?
Wo bleibt hier das Wohl der Kinder im Blick?
Wie kann es sein, dass uns dann die vorgesetzte Schulbehörde eine „Lehrkraft“ schickt, die noch nicht fertig ausgebildet ist, die keinerlei pädagogisches Handwerkszeug mitbringt, sich selbst in dieser Situation aufreibt und für Kinder wie Eltern eine Zumutung ist?
Wo bleibt hier das Wohl der Kinder im Blick?
Warum konnten auf landespolitscher Ebene über Jahre hinweg wegen schlechterer Bedingungen Lehrer in andere Bundesländer in großer Zahl abgeworben werden, so dass heute der „Lehrermarkt“ bei uns mehr leergefegt ist?
Wo bleibt hier das Wohl der Kinder im Blick?
Last but not leat war es die „Vorhölle“ sicherlich auch für Frau Nie-Nix-Gut, denn neben allem, was in ihrem Unterricht gelaufen ist und an Negativem in den Kindern bewirkte ist es - auch ihr gegenüber – von der Schulbehörde unverantwortlich, jemanden mit ihrem Ausblidungslevel als Vertretungslehrerin zu schicken!
Für unsere Kinder / meinen Sohn kann ich nur hoffen, dass sie / er das Kapitel „Frau Nie-Nix-Gut“ möglichst schnell abhaken oder verdrängen, damit keine „Spätfolgen“ in Klasse 4 über sie / ihn kommen und dass die neue Klassenlehrerin diesbezüglich „ein gutes Händchen“ hat…
Rückblickend wäre es uns Eltern, selbst wenn es zu keiner komplett gemeinsamen Aktion gekommen wäre, sicherlich möglich gewesen, gemeinsam etwas zu erreichen – hätten wir uns regelmäßig getroffen, Informationen ausgetauscht, den Schulelternbeirat eher informiert und nicht vertauensseelig den Hinhaltetechniken von Schulbehörde und Rektorin geglaubt. Aber bis wir begriffen, war es zu spät…
Vielleicht sind Sie entsetzt über diesen Bericht und können sich nicht vorstellen, dass so etwas in der (Grund-)Schule vorkommt? Ich habe an keinem Punkt übertrieben, könnte zu jeder Situation „Ross und Reiter“ nennen!
Vielleicht sind Sie ja auch gar nicht entsetzt, weil Sie diese oder ähnliche Dinge selbst erlebt haben?!
Was nützt unseren Kindern hohler Aktionismus in punkto Lerninhalte aufgrund von Pisa-Studien, wenn profunde, normale Unterrichtsversorgung in Ausfallsituationen nicht gewährleistet werden kann? Wenn Stunden über Stunden ausfallen, weil einfach keine Vertretungslehrer kommen? Wenn wir abgespeist werden mit „Noch-Nicht-Lehrern“, die Kinder und Eltern entmutigen und frustrieren (und vermutlich selbst dabei verheizt werden)? Wenn Lehrer der Schule es an Ehrlichkeit, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Respekt,… fehlen lassen, zu der sie die Kinder eigentlich erziehen sollen?
Wenn alle Missstände und Probleme ausgesessen und unter den Teppich gekehrt werden - damit die Statistik stimmt?
Letztlich wird es so weit kommen, dass Eltern mit den Füßen abstimmen (wie ja bereits in unserer Klasse eingetreten – 2 Kinder wechseln während des Schuljahres, ein Kind danach die Schule), dass private Schulen immer mehr an Geltung gewinnen (ob das jedoch immer der Weisheit letzter Schluss ist?). Nach diesem Schuljahr ist mein Vertrauen in das staatliche Schulwesen und insbesondere auch in die vorgesetzte Schulbehörde auf nahezu Null geschwunden; in meinen Augen kein Licht am Ende des Tunnels.
Juli 2006 (Schuljahr 2005/2007)
Nachtrag Schuljahr 2006/2007
Wer hätte das gedacht: Frau Nie-Nix-Gut ist Referendarin an unserer Schule! Vielleicht wird sie bei dem momentanen Lehrermangel ja hier sogar eingestellt???!!! Das wäre sicherlich eine große Bereicherung für das hiesige Kollegium!
Nur gut, dass für uns die Grundschule in ein paar Monaten endgültig abgeschlossen ist!!!
Ich kenne aber genügend Eltern, die vor Ort von den hiesigen Zuständen so enttäuscht oder entsetzt sind, dass sie sich händeringend eine andere Option als unsere Grundschule suchen, auch wenn diese mit viel mehr Aufwand verbunden sein sollte.
Denn auch die vorgesetzte Schulbehörde ist ja nicht bereit zu handeln. Bei einem Anruf im ersten Halbjahr der 3. Klasse, bei der es u.a. um die Nichtkommunikation zwischen Schule und Eltern ging, bekam ich ein Lachen zu hören mit der Bemerkung „Wir wissen, dass bei Euch die Uhren anders laufen…“. Also bleibt nur, mit den Füßen abzustimmen und zu gehen!
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